Der Feminismus ist heute ein anderer als noch vor 20, 30 Jahren. Heute kann man auch als emanzipierte Frau Pink lieben, Stöckelschuhe tragen und Männern trotzdem (oder gerade deshalb) auf Augenhöhe begegnen. Man kann sich wie der ärgste Blondinenwitz benehmen, mit Klischees spielen, um diese im nächsten Augenblick zu verwerfen. Wie es uns gefällt.
So ähnlich stellt frau sich die Sache jedenfalls vor: in einer utopischen Welt des Postfeminismus. Wenn man nämlich – wieder einmal – pauschal zu einem bestimmten Frauenbild vergattert wird, regt sich schon ein gewisser Unmut. Beispiel Media Markt. Dessen Marketingstrategen haben sich intensiv mit der Frage befasst, was Frauen von einem Elektrofachmarkt wollen. Dafür wurden, so die PR-Abteilung, „in verschiedenen Umfragen und Arbeitsgruppen die Bedürfnisse und Wünsche unserer Kundinnen abgefragt“. Die „Woman's World“, die dabei herauskam, ist so absurd, dass man geneigt ist, zu glauben, die Werbefachleute hätten sich einen schlechten Witz erlaubt.
Ein Augenschein in einer Filiale in der Lugner City bringt Erstaunliches zutage: Auf eine mit rotem Banner markierte, etwa drei mal drei Meter große Fläche in Kassanähe reduziert Media Markt die Welt für die Frau. Und, wie es auf dem Banner steht, „für Männer, die Frauen etwas Gutes tun wollen“. Das heißt, man schenkt der Frau: einen elektrischen Hautverjüngungsapparat, der sich auch zur Aknebehandlung verwenden lässt (199,90 Euro). Tischventilatoren in Pastellfarben (19,90 Euro). Eine Waage mit spezieller Messfunktion für Körperfett, Muskelmasse und Wasseranteil (139,90 Euro). Einen Staubsauger mit pinkfarbenem Auffangbehälter, einen Massagesessel oder eine Kaffeemaschine. „Aktuelle Produkte in ansprechendem Umfeld“ wünschen sich die Kundinnen. Ja, das Umfeld kann wirklich was: Eine Sitzbank gibt es. Und die Deko verleitet zu spontanen Lachkrämpfen: etwas Sand und Muscheln, Glassteine, Kerzen, in Pink natürlich, und eine Banane. Ohne Witz. Ob die nun dem hauseigenen Thinktank entsprungen ist oder die Rache einer Kundin war, die sich auf den Arm genommen fühlte? Fragen Sie doch einmal nach. Im Media Markt Ihrer Wahl.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)















