Lob für die "Grünen Wurschteln" Wehrpflicht? Schaun ma a mal!

GASTKOLUMNE VON THOMAS CHORHERR (Die Presse)

Ein Vierteljahr vor der Volksbefragung zeichnet sich eine Mehrheit gegen das Berufsheer ab - hoffentlich wird sie halten.

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Die Volksbefragung wird zugunsten der Wehrpflicht ausgehen – so sieht es zumindest aus, derzeit jedenfalls. Sogar in der sozialdemokratischen Wählerschaft mehren sich die Pro-Stimmen, und selbst „rote“ Bürgermeister (jener in der Bundeshauptstadt ausgenommen, dem seine Partei den schließlich zum Flop gewordenen vermeintlichen Wahlschlager zu verdanken hat) – selbst SP-Bürgermeister also sind für die Beibehaltung des derzeitigen Rekrutierungssystems.

Ich auch. Ich sehe mich in dieser Hinsicht einer Meinung mit dem Bundespräsidenten. Auch Heinz Fischer betont immer wieder die Vorzüge der allgemeinen Wehrpflicht, sehr zum Unterschied vom Zivildiener als Ressortchef der bewaffneten Macht. Es ist anzunehmen, dass er seinen Posten wird räumen müssen, wenn die Mehrheit der Österreicher seiner (freilich seinerzeit abrupt geänderten) Auffassung widerspricht.

Aber sein Rücktritt ist leider, wie es scheint, nicht in Stein gemeißelt. Unterstützt wird Darabos ja durch die Meinung jenes „Chefredakteurs“ einer Gratiszeitung, dessen Kommentar an Dummheit nicht mehr zu überbieten ist. Unter dem Titel „Achtung, die grünen Wurschteln kommen“ beschrieb er die Militärschau am Wiener Heldenplatz: „Stolz waren wir auf unser Heer zu keiner Zeit. Aber so ungeniert ausgelacht wie jetzt haben wir es noch nie.“ Am Lachen, sagte meine Großmutter immer, erkennt man den Narren.


Die Österreicher haben nicht gelacht, damals im Sommer 1955, als zum ersten Mal eine Kompanie des neuen österreichischen Bundesheeres noch als B-Gendarmerie durch die Mariahilfer Straße zur Hofburg marschierte, wo sie von Bundespräsident Körner begrüßt wurde. Sie haben auch nicht gelacht, als im Spätherbst 1956 während der Ungarn-Revolution das Heer erstmals eingesetzt wurde, an der Grenze, mit Schießbefehl.

„Ziel der Militärpräsenz war es, den Menschen im Burgenland ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln und die Gewissheit, dass sie nicht allein gelassen würden“, schrieb in der Vorwoche Ernst Trost in einer klugen Kolumne in der „Kronen Zeitung“. Er war wie ich damals im Burgenland. Ein alter Panzerspähwagen aus amerikanischen Beständen, aber mit rot-weiß-roten Kennzeichen, genügte, um uns zu beruhigen. Wir fürchteten ja, dass die Sowjets unsere Grenze missachten könnten. Wir fühlten uns beschützt. Wie auch 1968 nach dem Prager Frühling. Wie auch während des Jugoslawienkriegs.

Europa ist heute sicherer geworden, gewiss doch. Aber es gibt noch mehr Gründe für die Beibehaltung der Wehrpflicht als allfällige Katastrophenhilfe. Nicht zuletzt jenen, den einst John F. Kennedy formulierte: „Fragt nicht, was euer Land für euch tut, fragt lieber, was ihr für euer Land tun könnt.“ Diese Maxime widerspricht zur Gänze der Idee einer Söldnertruppe, wie sie den Genossen Faymann und Darabos vorschwebt – und die bisher von der SPÖ, die sich an 1934 erinnerte, vehement abgelehnt worden war.

Kommt hinzu, dass die Wehrpflicht eine begrüßenswerte zeitweilige Lockerung geografischer und sozialer Herkunft bedeutet. Sie trennt nicht, sie trägt zur Einheit bei. Voraussetzung ist freilich eine Reform, wie sie auch dem (sozialdemokratischen) Generalstabschef vorschwebt. Der vehement für die Wehrpflicht eintritt, so wie fast alle Offiziere. Und wie das Staatsoberhaupt. Und wie ich. Wir wissen, dass Kennedy recht gehabt hat.


Der Autor war langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der „Presse“.


E-Mails an: thomas.chorherr@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2012)

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6 Kommentare

Für die weibliche Jugend sollte es ebenso ein Sozialjahr geben.

. . . Frauen sollten mit gesunder Lebenshaltung konfrontiert werden. Sie brauchen Erfahrung von der Krabbelstube bis zur Altenpflege und Wissen um gesunde Ernährung und Soziales mehr.

das problem bei der abstimmung ist, dass sie sowieso nicht ernst zu nehmen ist!

man kann und sollte sich durchaus fragen, was der sinn dahiner ist männer in der blüte ihres lebens für ein halbes jahr bzw 8 monate vom arbeitsleben fernzuhalten um ihnen dinge beizubrungen die sie aller wahrscheinlichkeit nie wieder brauchen werden!

außerdem muss man sagen, dass bei der derzeitigen grundausbildung die fertigen "soldaten" sowieso keien kampfkraft aufweisen und im falle eines krieges bestenfalls als kanonenfutter zu gebrauchen wären!

ist spricht also meiner meinung nach viel dafür das heer sinnvoll zu reformieren, und ein kleines aber dafür kampfkräftiges berufsheer mit guter ausrüstung aufzustellen!

das problem ist nur dass es ÖVP und SPÖ nicht um konstruktive heerespolitik geht, sondern nur um einen vor wahlkampf, bei dem man dem anderen eine niederlage zufügen möchte!

sollte ich also tatsächlich gültig wählen gehen so muss ich mich schon fragen, ob ich dadurch nicht zum reinen vorwahlkapf instrument der regierungspartein werde, sowie bei der hirnlosen hunderl/hausmeister/citymaut volksbefragung der wiener SPÖ kurz vor der letzten gemeidneratswahl!

Gast: Gegen Wehrpflicht
05.11.2012 09:21
1

Dass man der Jugend in Kriegszeiten wertvolle Zeit stiehlt, weil man sie aus Notwehrgründen stehlen muss, ist ja eventuell gerade noch einzusehen

Dass man aber in Friedenszeiten der Jugend kostbare Aubildungs- und berufliche Entwicklungszeit klaut, das ist schon ganz schön starker Tobak!

Re: Dass man der Jugend in Kriegszeiten wertvolle Zeit stiehlt, weil man sie aus Notwehrgründen stehlen muss, ist ja eventuell gerade noch einzusehen

Wenn man erst im Krieg mit der Grundausbildung beginnt, kann man vielleicht einen Volkssturm aufstellen, sicher aber kein Heer mit Überlebenschancen.

Heimat interessante Heimat

Österreich ist einerseits Vorzeigeland für Frauenförderung bis hin zum geplanten Megapuff und auch jenes Land mit den linkesten Anschauungen, die man sich nur vorstellen kann, aber die Wehrpflicht natürlich nur für Männer mit Ausnahme derer, die später Politiker werden wollen, wird behalten.
Abgesehen davon, dass Österreichs Armee mindestens so schlagkräftig wie die der Schweiz sein müsste um hier überhaupt ernst bleiben zu können, kann auch mit der Neutralität gar nicht mehr argumentiert werden. Wir sind bei EU und UNO und daher nicht mehr neutral!!
Und die Schreibtischoffiziere? fürchten wohl um ihren Job und deshalb wird der Wähler mit Katastrophenschutz und Zivildienst geködert was mit Landesverteidigung gar nichts zu tun hat.
Wer dieses Land noch versteht? Ich nicht mehr!

Gast: leichti
04.11.2012 20:34
2

Wehrpflicht ist nicht mehr Zeitgemäß

Wehrpflicht im 21 Jahrhundert in Österreich! Vielen Dank unserer weiterhin mehrheitlich in der Vergangenheit lebenden Bevölkerung.

Die Wehrpflicht hat ausgedient! Ich bin belustigt welche Aufgaben unserem Heer von der Pro Wehrpflichtseite "angehängt" werden.
- Ohne Wehrpflicht gibt es keinen Zivildienst und das Gesundheitssystem eines der fortschrittlichsten und reichsten Länder bricht ohne unterbezahlte Zwangsarbeit zusammen. (ÖVP)
- Ohne Wehrpflicht gibts keinen/unzureichenden Katastrophenschutz. Dabei wird vergessen das derzeit über 90% der Einsatzstunden von freiwilligen Feuerwehren geleistet werden. Was spricht dagegen die restlichen 10% mit reinen Berufssoldaten zu leisten? Wir haben davon immerhin über 16.000.
- Die Wehrpflicht dient der Integration. (Sebastian Kurz)
- Ein Berufsheer ist eine Söldnertruppe. Diese Aussage verstehe ich nicht wirklich - praktisch jedes westliche Land der Welt hat ein Berufsheer, sind das alles Söldnertruppen?

Lieber Herr Chorherr
Sie zitieren Kennedy, ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten und meinen "wir wissen das er recht hat". Die USA hat seit knapp 40 Jahren die Wehrpflicht ausgesetzt - War das eine schlechte Entscheidung? Warum sind alle westlichen Länder dem Beispiel gefolgt?

Alle diejenigen die Arbeiten leisten ihren Beitrag am Staat, wir haben einen Steuersatz von fast 50%, da brauchen wir keinen Zwangsdienst! Last die Jungen machen was Sie können, was sie gelernt haben

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