"Gefraster, diese ÖVPler", ärgert sich Maria Vassilakou, in Ehren ergraut. Es ist die allwöchentliche Postsitzung. Immer dasselbe. „Gfrastersagtmabeiuns“, verbessert Eva Glawischnig, die schon wieder auf Diät ist und deswegen so schnell spricht. „Was bilden die sich ein?“, erregt sich Maria, „jetzt wollen s' die Leut' befragen, ja wo samma denn, he?“ – Das ist ein Dilemma, aus dem man schwer herauskommt: im Bund in Opposition, in Wien in der Regierung, im Bund für Bürgerbeteiligung, Strickrunden, Volksabstimmungen, Sit-ins und Protestdemos, im Rathaus für Zucht und Ordnung, für Parksheriffs, für Parkgebühren, für Parkstrafen etc. – Als Frau Glawischnig so ganz nebenbei das Wort „Notariatsakt“ fallen lässt, gerät die Wiener Kollegin vollends aus dem Häusl. „Um Himmels Willen, meine Jugendsünden!“ Wie das? Was jetzt? Ja, in einem rührseligen Moment, in einem Anflug mädchenhafter Naivität war sie beim Notar: Das Wiener Wahlrecht müsse gerechter werden. Und jetzt? Jetzt musste sie auf Weisung der SPÖ dagegen stimmen. Ein trauriges Schicksal. Aber gottlob kommen ja bald die Ferien, und kein Journalist denkt mehr dran. HWS
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2012)















