Wie anders, wie lebenswert ist doch das Leben im Dorfe. Hier kommt der Handwerker nicht nach vier Wochen, sondern gleich auf einen Sprung vorbei, wenn man ihn aus dem Wirtshaus lockt. Neulich war's wieder so weit: „Dås is' a Tagerl“, seufzt der Spezialist, verschwitzt, aber bereits zur Stelle. „Net amål a Mittagspause wår drinnen.“ Wir verstehen. Wir geben, was Speis' und Keller zu bieten haben, auch ein Glaserl Welsch. Schließlich haben wir es mit einem Chirurgen zu tun. Einer Kapazität. Ich darf assistieren, wiewohl kein Chirurg. „An Kübel brauch ma!“ Bitte schön. „Jetzt no an Schlauch!“ Na gut, der Mann kam schließlich ohne Werkzeug. „Flåchzangerl, Pumpenzange.“ Wir haben alles. Mit bewundernswerter Élégance zerlegt der Experte den Patienten in seine Bestandteile. Hie und da atzen wir den Fachmann mit Speckbrot und noch einem Gläschen. Nach zwei Stunden ist der Operateur fertig und errechnet auf dem Butterbrotpapier den Freundschaftspreis. 290 Euro sind wahrlich geschenkt, wenn man eine Hüftoperation zum Vergleich nimmt.
Ein Freund, ein wahrer Freund, den man nicht umsonst belästigt. Daher, nur hier und ganz leise: Die Therme tropft schon wieder. Aber nur ein bissl mehr als vorher. hws
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2012)















