Journalisten zu schmeicheln, das erfordert schauspielerisches Talent. Der „Alte“ (natürlich, wieder einmal der Kreisky), der hatte es. Seine Souffleuse: Margit Schmidt, die treue Assistentin. Interviewtermin beim „Alten“ am Nachmittag. Zwei „Presse“-Redakteure nicken schon zwei Stunden lang zu Kreiskys Monolog über Nahost, die Sozialversicherung, China, die USA und Mohnnudeln. Frau Schmidt steckt den Kopf herein: „Herr Bundeskanzler, Ihr nächster Termin...“ – „Wer is' es denn?“ – „Der Herr Bundespräsident wartet.“ – „Ja, der muss jetzt warten. Ich hab da die zwei Herren von der ,Presse‘. Ja?“ – Kreisky alteriert sich nun die nächste halbe Stunde über den Journalisten L.: „Der – so was von schäbig! Da kann ich nur sagen, meine Herren, pfui Teufel! Ja Sie, Sie sind nobel, anständig, da weiß man, wo Sie stehen, aber der... , no der kriegt kein Interview mehr. Ja?“ – Schon wieder Margit Schmidt: „Der Herr Bundespräsident hat anrufen lassen...“ – „Na so, wir sind's ja eh glei'.“ --- Die zwei Redakteure wandern glücklich über den Ballhausplatz. Drüben, in der Hofburg: Alles finster, totenstill... Ob Kreisky einen besonders abgefeimten Trick angewendet hat? Frau Schmidt schweigt bis heute. Wie ein Grab. Wie Kreisky in seinem Ehrengrab. hws
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2012)















