18.05.2013 23:33 Merkliste 0

Die Haxlsteller warten

 (Die Presse)

Übern Sommer hat mein Bübchen also laufen gelernt.

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Übern Sommer hat mein Bübchen also laufen gelernt. Es begann ganz plötzlich, an einem Maitag, nicht lange vor seinem ersten Geburtstag, da stand er so da, an ein Wohnzimmerregal gelehnt, lachte und tappte jäh und völlig unerwartet auf mich zu. Vier Schritte lang. Dann hat's ihn hingeprackt. Aber wie er dabei gegrinst hat, war phänomenal, und diese vier Schritte dauerten eine gefühlte kleine Ewigkeit, irgendwie hat kurz mein Herz ausgesetzt und es war spürbar, dass gerade etwas ganz Großes passiert war. Und jetzt ist schon Mitte August, die Nächte werden wieder kühler und die Luft ist ruhiger, der Frühherbst reckt einem die ersten bunten Finger entgegen und Bübchen tappt um unser Haus am See im Süden von NÖ herum, den kühlen dunklen Waldweg hinauf, hinab den warmen Asphalt zu den Hunden der Nachbarn oder nur hinüber zum Auto oder zur Vespa, wo er sich am Nummernschild festhält, draufzeigt und „A!“ ruft – diesen Buchstaben kennt er nämlich schon und wird ganz aufgeregt dabei.

Klar hält er sich noch gern an einer Erwachsenenhand fest. Aber übern Sommer hat mein Bübchen also laufen gelernt. Nur eins macht mich traurig: Irgendwann wird irgendjemand versuchen, ihm ein Haxl zu stellen. Es ist immer so im Leben. WG


E-Mails an: wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2012)

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1 Kommentare

Keine Sorge!

Mit so einem lieben Papa entwickelt er sich zu einem Stehaufmandl, den nichts und niemand auf Dauer umhauen kann!

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