Ich wundere mich als Autofahrer in Wien über ein Phänomen: Bei Regen spielt der Verkehr verrückt. Faustregel: Die ersten Tropfen auf der Frontscheibe senken die Gesamtdurchschnittsgeschwindigkeit um zehn Prozent. Leichter Regen bremst alles um ein Drittel, die Staus vor Ampeln und Kreuzungen werden entsprechend länger, und wenn's schüttet, geht alles nur kriechend voran. Man sieht dann, wie Nervositätsschweiß die Autofenster beschlägt, und in der Regel verkündet der Verkehrsfunk hektisch den Verkehrskollaps. Wieso ist das so? Ist's Angst vor dem Wasser? Das tät auch den Geruch in Öffis erklären, aber so feig ist der gemeine Automobilist doch nicht. Oder fußt es auf Vernunft, weil die Leut' den längeren Bremsweg bei Nässe bedenken? Ach, so klug sind die meisten sicher nicht.
Nun kam mir in einem Wiener Schwimmbad eine Idee: Als Rückenschwimmer wird man oft gerammt, aber nicht von anderen Rückenschwimmern, sondern von Brustschwimmern und Leuten, die vorwärts treiben und alles vor und neben sich registrieren müssten. Meine Theorie: Wasser engt das Sichtfeld ein und senkt bei vielen den Verstand. Daher spinnt der Verkehr. Vielleicht trinkt mein kluger Schwiegervater darum nur Bier und Wein: Vom Wasser, meint er, würd' man deppert. WG
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)















