25.05.2013 03:46 Merkliste 0

Wasser macht deppert

 (Die Presse)

Ich wundere mich als Autofahrer in Wien über ein Phänomen: Bei Regen spielt der Verkehr verrückt. Faustregel: Die ersten Tropfen auf der Frontscheibe senken die Gesamtdurchschnittsgeschwindigkeit um zehn Prozent.

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Ich wundere mich als Autofahrer in Wien über ein Phänomen: Bei Regen spielt der Verkehr verrückt. Faustregel: Die ersten Tropfen auf der Frontscheibe senken die Gesamtdurchschnittsgeschwindigkeit um zehn Prozent. Leichter Regen bremst alles um ein Drittel, die Staus vor Ampeln und Kreuzungen werden entsprechend länger, und wenn's schüttet, geht alles nur kriechend voran. Man sieht dann, wie Nervositätsschweiß die Autofenster beschlägt, und in der Regel verkündet der Verkehrsfunk hektisch den Verkehrskollaps. Wieso ist das so? Ist's Angst vor dem Wasser? Das tät auch den Geruch in Öffis erklären, aber so feig ist der gemeine Automobilist doch nicht. Oder fußt es auf Vernunft, weil die Leut' den längeren Bremsweg bei Nässe bedenken? Ach, so klug sind die meisten sicher nicht.

Nun kam mir in einem Wiener Schwimmbad eine Idee: Als Rückenschwimmer wird man oft gerammt, aber nicht von anderen Rückenschwimmern, sondern von Brustschwimmern und Leuten, die vorwärts treiben und alles vor und neben sich registrieren müssten. Meine Theorie: Wasser engt das Sichtfeld ein und senkt bei vielen den Verstand. Daher spinnt der Verkehr. Vielleicht trinkt mein kluger Schwiegervater darum nur Bier und Wein: Vom Wasser, meint er, würd' man deppert. WG


E-Mails an: wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)

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3 Kommentare
Gast: ökono-mist
26.08.2012 17:32
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"Gute 'Nachrichten'..."?


Das ist aber ein sehr klares Wasser. Da scheint die Intention des Autors ganz klar hervorzugehen...

(Bitte nicht löschen - diese meine Kommentierung erhöht den Werbewert ungemein!)

P. S.: Noch eine Nachbemerkung zu den first drops: Bei einsetzendem Regen ist eine Geschwindigkeitsreduktion besonders sinnvoll, denn gerade da ist ja bekanntlich die Fahrbahn besonders schmierig.

P. P. S.: Hoffentlich sind Sie nicht bös', lieber "pizzidichand", wenn mir jetzt noch ein Spitzname einfällt für den publizistischen "Spitzbuben":
W. G. Rebler...


Gast: Gast: Leser
25.08.2012 11:56
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Rückenschwimmen

Es ist eher am Verstand desjenigen zu zweifeln, der in einem öffentlichen Bad auf dem Rücken schwimmt und offenbar meint, das Becken gehöre ihm allein und alle anderen müssten ihm Platz machen.

Antworten Gast: chefredaktion
26.08.2012 20:11
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Re: Rückenschwimmen

oh, ein ertappter brustschwimmer... die tun sich immer schwer mit kontrolle behalten, auch beim wasser...

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