Es war zu erwarten: Jüngst mokierte sich das „Pizzicato“ darüber, dass man als Rückenschwimmer in öffentlichen Becken auffallend oft von Brustschwimmern und anderen, die vorwärtstreiben und daher sehen müssten, gerammt wird – und schon fliegt eine Grantelgranate: Wer im Öffi-Bad rücklings schwimme und meine, ihm gehöre hier alles und jeder solle weichen, sei nicht bei Verstand, zürnte ein Leser.
Ja, als Rückenschwimmer hat man ein seltsames Gefühl, du siehst nix und musst auf die anderen vertrauen – aber klar: Man gilt rasch als der Freche, der aus der Reihe tanzt, und wer etwas anders tut als die Mehrheit ist in Ö suspekt, jo derf der denn des? Das alte Minderheiten- und Freigeistproblem. Dabei sollte der zielstrebige Schwimmer doch Vorrang vor der tumb treibenden Qualle haben, aber das sehen viele hier umgekehrt, was einiges erklärt. Nun sagen aber Orthopäden, dass das Brustschwimmen und Froschpaddeln für Hals- und Brustwirbelsäule gaaanz böse ist, Rückenschwimmen sei viel gesünder! Das erklärt vielleicht die vielen Dicken, die beim Heurigen kümmelbratenkauend über ihr Rückenwehweh jammern, aber immerhin sei man schon g'schwommen heut – Brust natürlich. Na ja: Der gemeine Österreicher hat halt oft ein Problem mit dem Rückgrat. WG
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2012)















