Er, Staatskünstler

 (Die Presse)

Bernhard, Jelinek, Peymann – „Staatskünstler“, wurden diese in den Achtziger- und Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts von der politischen Rechten, allen voran Jörg Haiders FPÖ, verächtlich genannt.

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Bernhard, Jelinek, Peymann – „Staatskünstler“, also vom roten Kulturminister finanziert und von der linken Kulturschickeria hofiert, wurden diese samt artverwandten Kollegen in den Achtziger- und Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts von der politischen Rechten, allen voran Jörg Haiders FPÖ, verächtlich genannt. Noch heute arbeitet eine Kabarettistengruppe mit dem Schmäh.

Nun sprach Peter Weibel, von den Medien gern als „Medienkünstler“ tituliert (sind wir Journalisten das nicht eigentlich auch?) und politisch eher nicht rechts zu verorten, in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: Thomas Bernhard sei „ein Staatskünstler“ gewesen. Wie überhaupt fast alle Kunst in Österreich Staatskunst sei und alle Kultur korrumpiert (das hätte irgendwie auch von Bernhard selbst stammen können). Für Bernhard persönlich hatte er noch den Nachsatz parat: „Wenn man so vereinsamt sein wollte wie er, dann sonnt man sich nicht am Stephansplatz.“ Touché!

Womit gewissermaßen auch Jörg Haider rehabilitiert ist. Dessen unglaubliche Menschenkenntnis ja schon zu Lebzeiten legendär war. Wenn man von Muammar Gaddafi oder Saddam Hussein vielleicht einmal absieht. OLI


E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2012)

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