Die Notbremsensinnfrage

Wolfgang Greber (DiePresse.com)

In Zügen der ÖBB erlebt man oft etwas Neues, aber das habe ich noch nie zuvor gehört.

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In Zügen der ÖBB erlebt man oft etwas Neues, aber das habe ich noch nie zuvor gehört: Es war irgendwo in Tirol im 14.48-Uhr-Zug von Feldkirch nach Wien, als per Lautsprecher die Durchsage kam: „Wegen Ziehens der Notbremse durch einen Passagier im Wagen 16 ist unser Zug derzeit zehn Minuten verspätet.“ Alles lachte, auch wegen des denunzierenden Tons, mit dem der Schaffner den Hort des Böslings preisgab.

Schade nur, dass er ihn nicht am Ohr durch den Zug zog, aber das wär' ja gegen die Menschenrechte. Ich frag mich indes: Wofür sind Notbremsen gut? Dass das Ding im Notfall anhält. Nur, was für ein Notfall soll das sein? Ein Herzinfarkt? Also der Patient findet's sicher super, wenn der Zug im Wald steht statt zum Bahnhof zu brausen. Feuer? Klar, im Abteil brennt es schwächer, wenn der Zug steht. Jemand fällt zum Fenster raus? Die gehen eh nicht auf. Ein Hindernis vor dem Zug? Weil man das als Passagier besser sieht als der Zugführer! Also: Das Pizzicato freut sich über eine Erklärung zur Notbremsensinnfrage.

Aber lassen wir heute doch endlich die Hemmungen fallen, geben wir der seit Kindertagen schwelenden Verlockung des Verbotenen nach und ziehen endlich eine Notbremse! Morgen geht eh die Welt unter – und den Spaß geb' ma uns noch. WG


E-Mails an: wolfgang.greber@diepresse.com

 
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