Liste der Scheinheiligkeit

Ende Dezember blüht diese Listenmanie

Ende Dezember blüht diese Listenmanie, die viele Journalisten zwingt, das alte Jahr in Top-oder-Flop-Raster zu pressen. Bisweilen hat das Charme, das zeigt etwa der „Falter“ mit seinem „Best of böse“. Bei anderen Listen möchte man weinen: etwa, wenn schon wieder Bob Dylan das beste Pop-Album gemacht haben soll.

Abgesehen von Listen, die man uferlos füllen kann, wie jene der dümmsten Politiker oder der erbarmungslosesten Manager, fiele mir eine neue ein: die der Scheinheiligkeit. Das goldene „Faule Ei“ 2012 für die größte Scheinheiligkeit werfe ich gegen keinen Promi, sondern gegen das Jugendzentrum an der Roßauer Lände in Wien, dessen Außenmauern man mit dem Spruch verziert hat: „Der Staat ist die einzige kriminelle Organisation!“ Darunter prangt das anarchistische „A“. Nun, klingt vielleicht witzig, aber bei Verbrecherbanden fallen mir ganz andere Gruppen und Organisationen ein. Zur Scheinheiligkeit wird's aber durch diesen Aufkleber am Eingang: „Gefördert durch die Stadt Wien“. Aha: Der Staat ist ein Verbrecher, aber Geld von einem seiner Gangmitglieder nimmt der Anarchist von Welt gern an. Was sagt uns das? Dass Geld nicht stinkt – und man seine Prinzipien dafür leicht opfert. Auch 2013. Guten Abend, Neujahr! wg


E-Mails an: wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2012)

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