Die Gesprächseinbrecher

 (Die Presse)

In der U-Bahn Leberkässemmeln kauen, im Zug in penetranter Lautstärke mit dem Handy telefonieren – über solche Unsitten lassen sich schon Bibliotheken an Beschwerden füllen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

In der U-Bahn Leberkässemmeln kauen, im Zug in penetranter Lautstärke mit dem Handy telefonieren, auf die Straße spucken – über solche Unsitten lassen sich schon Bibliotheken an Beschwerden füllen. Mir fällt indes seit Jahren ein Übel auf, von dem ich bisher nichts las: das rücksichtslose Hineinplatzen in ein Gespräch, um sich vorzudrängen. Diese Unart breitet sich aus wie ein Quallenschwarm, vor allem am Arbeitsplatz. Sobald zwei zusammenstehen und reden, dauert es keine zwei Minuten, bis eine dritte Person quasi wie ein Bulldozer durch die Wand kracht und einen der Gesprächspartner ungebremst vereinnahmt, er solle doch „schnell“ dies oder das tun, man habe „bloß“ eine kleine Bitte etc. Seltsam: Als Kind hab ich noch gelernt, dass man, wenn Menschen miteinander reden, zuerst höflich „anklopfen“ soll, bevor man dazwischengeht – das geht ganz leicht, etwa mit einem simplen „Pardon“.

Einst war ich bei einem Empfang im Außenministerium in ein Gespräch mit einem Gast aus Asien vertieft, als ein gelackter Ministerialbeamter popanzartig dazwischentrat und den Mann für sich annektierte (was diesem klar unangenehm war). Wenn aber sogar Diplomaten zu Gesprächseinbrechern werden, muss man bei den Manieren wohl alle Hoffnung fahren lassen. WG


E-Mails an: wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

2 Kommentare

manieren bei der "presse"?



ist das dieselbe zeitung deren chefredakteur den bundespräsidenten als "bundesheinzi" verunglimpft hat? sind das "manieren"?

1 0

Re: manieren bei der "presse"?

Das war eine wohl formulierte Tatsachenumschreibung eines Eindrucks.

Top-News

  • Ist die Ganztagsschule abgeblasen?
    Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verteidigt ihren Plan, bei den Ganztagsschulen zu sparen. Die Mittel seien bislang ohnehin nicht ausgeschöpft worden.
    Gefahr durch geheime EU-Deals
    Das System der EU ist wegen seiner Komplexität korruptionsanfällig, kritisiert Transparency International. Die Letztentscheidung in wichtigen Fragen fällt zu oft ohne Öffentlichkeit.
    Telekom Austria: Der viel kritisierte "Wunschpartner"
    Telekom. ÖIAG und América Móvil feiern ihre spät besiegelte Partnerschaft. Das Chaos sei vorbei. Nun wollen die Mexikaner mit der TA in Europa vor allem eines: Wachsen, wachsen, wachsen.
    Moskau startet Manöver
    Angesichts Kiews "Antiterror-Operation" hält Moskau Militärübung in Grenznähe ab. Ukrainische Truppen melden indes Erfolge.
    Hans Hollein: Auf dem Mond - oder woanders
    Am Donnerstag ist einer der großen Architekten und Künstler, die Österreich in der Welt vertraten, nach langer Krankheit gestorben. Hans Hollein wurde 80 Jahre alt. Sein Jubeljahr wird zum Jahr der Erinnerungen an den Universalisten.
    Bankensteuer: Lenkt die SPÖ ein?
    Das "Presse"-Interview mit Wirtschaftsminister Mitterlehner über eine Reduktion der Bankenabgabe sorgt für zahlreiche Reaktionen. Die SPÖ verlangt nun genaue Berechnungen.
AnmeldenAnmelden