Guter Kitsch

Oliver Pink (Die Presse)

Interviews können furchtbar sein. Furchtbar langweilig. Vor allem Interviews mit Politikern. Die Antworten sind so erwartbar, aus vorgefertigten Textbausteinen zusammengesetzt, dass man nur noch die passenden Fragen einzufügen braucht.

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Interviews können furchtbar sein. Furchtbar langweilig. Vor allem Interviews mit Politikern. Die Antworten sind so erwartbar, aus vorgefertigten Textbausteinen zusammengesetzt, dass man nur noch die passenden Fragen einzufügen braucht. Doch um nicht einseitig ungerecht zu sein: Solches gilt freilich nicht nur für Politiker, sondern auch für Filmstars, Sportgrößen, Industriekapitäne, religiöse Würdenträger und sonstige Zelebritäten.

Und da ist es richtiggehend wohltuend, wenn einer einmal nicht das sagt, was von ihm erwartet wird. Der Pop-Intellektuelle Dirk von Lowtzow, bekannt als Sänger der gern als „Diskurs-Band“ titulierten deutschen Rockgruppe „Tocotronic“, bekannte jüngst in einem Interview in der „Süddeutschen Zeitung“, dass er „guten Kitsch“ – Schlager von Udo Jürgens und Nana Mouskouri – schätze. Im Gegensatz zu „schlechtem Kitsch“ wie Wim-Wenders-Filmen. Und setzte dann noch drauf: Jennifer Lopez' „Jenny from the block“ sei „großartig geschrieben“. Britney Spears „Hit me baby one more time“ sei „größte Popkunst“ und „sehr eindrucksvoll“ wie vieles von ihr.

Jetzt könnte Michael Haneke eigentlich einbekennen, dass er Stefan Petzners YouTube-Filme insgeheim toll findet. OLI


E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2013)

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