Frischluft in die Debatte

 (Die Presse)

Wir dachten, dass nun alles gesagt wurde, was zu sagen ist. Über Dirndlblusen, Körbchengrößen und anzügliche Bemerkungen zwischen Politikern und Journalistinnen.

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Wir dachten, dass nun alles gesagt wurde, was zu sagen ist. Über Dirndlblusen, Körbchengrößen und anzügliche Bemerkungen zwischen Politikern und Journalistinnen. Doch das Ende einer Debatte kann man sich nicht aussuchen. Wolf Schneider, der lange geachtete, heute eher belächelte deutsche Sprachkritiker, lässt sich nicht bremsen. In seiner Dankesrede für einen Lebenswerkpreis wollte der 87-Jährige jetzt auch noch „frische Luft“ in eine „verquaste Debatte blasen“ – und zwar mit einem einzigen Satz: „Wer noch weniger Sexismus an den Tag legte als Rainer Brüderle und wenn der Zustand der Dauer-Erotisierung so schlimm wäre, wie die ,Stern‘-Redakteurin ihn beklagte, dann wäre die Menschheit ausgestorben vor drei Millionen Jahren.“

Hä?! Wir ahnten, dass der Mann der sehr alten Schule einst als Chef vom Dienst des „Stern“ ein Porträt wie das über Brüderle nie in Druck hätte gehen lassen. Dass aber der Prediger des klaren Satzbaus selbst Probleme mit Haupt- und Nebensatz hat, das hat uns doch erschüttert. Und die Eitelkeit vernebelt ihm auch noch die (Ein-)Sicht. Von den Buhrufen für sein Satzungetüm nicht irritiert ergänzte er: „Es handelt sich, wenn ich das sagen darf, um eine ewige Wahrheit.“ War's das jetzt? AWA


E-Mails an: anna-maria.wallner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2013)

 
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