Durchgangserkrankung

 (Die Presse)

Wir schreiben 2013, es gibt Computer. Flugzeuge. Teilchenbeschleuniger. Eierkocher. Doch noch immer scheitern viele an einer uralten Erfindung: dem gemeinen Durchgang.

Drucken Versenden
 
A A A
Schriftgröße
Kommentieren

Wir schreiben 2013, es gibt Computer. Flugzeuge. Teilchenbeschleuniger. Eierkocher. Doch noch immer scheitern viele an einer uralten Erfindung: dem gemeinen Durchgang. Durchgänge sind Leerstellen in Mauern, Fahrzeugen und anderen Objekten, durch die man von einem Raum in den anderen wechseln kann. Oft sind in Durchgängen Türen, mit denen man sie sperren oder öffnen kann. Und genau dann passiert's: Eine Masse strömt aus dem Theater, und einige Leute bleiben stets kurz nach dem Ausgang stehen und quatschen. Folge: Stau. In der U-Bahn sieht man sich beim Aussteigen immer einer Wand aus Leibern gegenüber, und beim Einsteigen hält immer jemand nach ein, zwei Schritten vor einem an. Und dann jüngst diese nette Kinderdisco in einem Kulturareal im neunten Bezirk in Wien: haufenweise Väter, Mütter und Kinder in drei Räumen mit 1,60 Meter breiten Durchgängen, in denen sich permanent jemand (meist eine Mutter) mitten drin postierte. Oft gruppierten sich andere Mütter dazu und bildeten wahre Sperrtrauben. Ohne Ellbogen kein Durchkommen.

Viele Menschen leiden an Mangel an Verständnis für Raumaufteilung und Massendynamik. Dafür können's gut mit dem Handy umgehen. Am besten ganz laut in der S-Bahn. WG


E-Mails an: wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2013)

 
Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Top-News

  • Kerns große Soloshow am Ballhausplatz
    Als Gastgeber der Wiener Flüchtlingskonferenz inszenierte sich der Kanzler am Samstag als EU-Krisenmanager. Kein Bundespräsident und kein Außenminister störten seinen Auftritt.
    Gibt es Alternativen zur EU-Mitgliedschaft?
    Analyse. Großbritannien sucht nach dem Brexit eine lose Anbindung an die EU, die mehr Souveränität verspricht. Das Problem ist nur, dass die Gemeinschaft den Kontinent längst so stark dominiert, dass niemand an ihr vorbeikommt.
    Stögers Dauerproblem Mindestsicherung
    Wenn der Bezug des Sozialgeldes zum Dauerzustand wird: Die Verschärfung der Lage in Wien durch Asylberechtigte bringt den Sozialminister unter Druck.
    Der Angstgegner aus Amerika
    Große und kleine Händler fürchten die digitale Dominanz von Amazon. Aber sie könnten Glück haben. Wie es aussieht, kommen auch Onlineriesen nicht ohne lokale Partner aus.
    Nostri Bambini statt Alt-Wien
    Die Alt-Wien-Kindergärten gibt es nicht mehr. Drei frühere Mitarbeiterinnen haben nun den Standort in der Lederergasse 20 übernommen und eröffnen bald den Kindergarten Nostri Bambini.
    Niki Fellner: "Es muss nicht in ›ZiB 2‹-Qualität sein"
    Nach zehn Jahren "Österreich" machen die Fellners ab Montag auch Fernsehen: Niki Fellner im Interview über oe24.TV, sein Desinteresse an ATV, das Erbe von Wolfgang Fellner - und über Facebook, das für ihn besser kontrolliert gehört.
AnmeldenAnmelden