Durchgangserkrankung

 (Die Presse)

Wir schreiben 2013, es gibt Computer. Flugzeuge. Teilchenbeschleuniger. Eierkocher. Doch noch immer scheitern viele an einer uralten Erfindung: dem gemeinen Durchgang.

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Wir schreiben 2013, es gibt Computer. Flugzeuge. Teilchenbeschleuniger. Eierkocher. Doch noch immer scheitern viele an einer uralten Erfindung: dem gemeinen Durchgang. Durchgänge sind Leerstellen in Mauern, Fahrzeugen und anderen Objekten, durch die man von einem Raum in den anderen wechseln kann. Oft sind in Durchgängen Türen, mit denen man sie sperren oder öffnen kann. Und genau dann passiert's: Eine Masse strömt aus dem Theater, und einige Leute bleiben stets kurz nach dem Ausgang stehen und quatschen. Folge: Stau. In der U-Bahn sieht man sich beim Aussteigen immer einer Wand aus Leibern gegenüber, und beim Einsteigen hält immer jemand nach ein, zwei Schritten vor einem an. Und dann jüngst diese nette Kinderdisco in einem Kulturareal im neunten Bezirk in Wien: haufenweise Väter, Mütter und Kinder in drei Räumen mit 1,60 Meter breiten Durchgängen, in denen sich permanent jemand (meist eine Mutter) mitten drin postierte. Oft gruppierten sich andere Mütter dazu und bildeten wahre Sperrtrauben. Ohne Ellbogen kein Durchkommen.

Viele Menschen leiden an Mangel an Verständnis für Raumaufteilung und Massendynamik. Dafür können's gut mit dem Handy umgehen. Am besten ganz laut in der S-Bahn. WG


E-Mails an: wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2013)

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