Der Herr Heiliggeist

Hans Werner-Scheidl (Die Presse)

Der Herr in der Kirchenbank wirkte irgendwie unrund, von schweren Gedanken belastet. „Was treibt Sie um, Heiliger Geist“, wagten wir flüsternd zu fragen.

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Der Herr in der Kirchenbank wirkte irgendwie unrund, von schweren Gedanken belastet. „Was treibt Sie um, Heiliger Geist“, wagten wir flüsternd zu fragen. „Um Himmels willen, wissen Sie, ich bin in argem Terminstress. Unser Prokurist in Rom hat vorzeitig seinen Vertrag gekündigt, fast wie bei Bayern München. Sehen Sie, und ich ganz allein muss jetzt rasch eine Eingebung haben. Bis Ostern wollen die eine Thronbesteigung sehen – und meine Headhunter sind noch nicht so weit. Für eine Ausschreibung und ein Hearing der Kandidaten hab ich diesmal keine Zeit. Ich weiß ja auch gar nicht, was der Neue an Gehalt will!“ – Womöglich will der sogar Boni? – „Nicht mit mir, auch wenn er in der Champions League spielt! Der Himmel muss sparen, capito? Jetzt wird schon gemurrt, dass unser alter Prokurist ab Freitag nur 3000 Euro Rente kriegen wird. Na, und ich? Wir versehen im Dreiervorstand unseren Dienst sogar gänzlich unbezahlt. Und dabei bin ich nicht einmal Vorstandsvorsitzender!“ – Der Herr Hl. Geist seufzte zum Gotterbarmen. Viel lastet jetzt auf diesem Personalvorstand. „Gott befohlen“, rief er uns zu, „irgendetwas ist mir immer noch eingefallen, wenn's auch oft unklug war. Immerhin hab ich tausendjährige Erfahrung!“ hws


E-Mails an: hans-werner.scheidl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2013)

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