Das Rätsel der Zitronen

Verdammt, jetzt reicht's, das „Pizzicato“ ist sauer! Dabei geht's um was relativ Unerhebliches: Zitronen. Diese Scheisserchen, die immer gleich wegschimmeln.

Da wird man echt sauer
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Da wird man echt sauer
Da wird man echt sauer – apa/dpa

Verdammt, jetzt reicht's aber, das „Pizzicato" ist sauer! Dabei geht's um etwas eigentlich relativ Unerhebliches: um Zitronen. 

Wir zu Hause brauchen Citrus limon, diese gottgesandte erfrischende Frucht, die angeblich zuerst in Nordindien/Burma kultiviert worden ist und bis zum Hochmittelalter, ja möglicherweise sogar schon bis zum 1. Jahrhundert nach Christus nach Italien gelangte, in ziemlich großen Mengen. Kaum ein Morgen etwa vergeht ohne einen tüchtigen Stoß frischen Zitronensafts auf nüchternen Magen noch vor dem Kaffee, puh, das macht munter und treibt die Tinte in den Füller. Zitronen dienen für Fischgerichte (und bitte jetzt nicht meinen, es gehe um die unnötige österreichisch-primitive Verwendung bei Paniertem), für Südostasien-Sachen, Geflügelpfannen, griechische Eintöpfe und einmarinierte Gemüse, abendliche Drinks, doch egal.

Denn seit Jahren fällt auf: Man kann kein einziges Netz Zitronen mehr kaufen, ohne dass nicht zumindest eine darin schon entweder pulvrig grün-weiß angeschimmelt ist oder das binnen ein, zwei Tagen wird, und zwar immer und völlig wurscht, ob die Früchte von der Supermarktkette B., H. oder S. sind. Erst vorigen Sonntag zuckte ich tüchtig aus, weil in einem am Vortag gekauften Zwölfernetz schon wieder zwei schimmelten. Seither folgten noch einmal zwei.

WARUM? Wieso neigt just eine Frucht, die man mit Hygiene und Putzmitteln verbindet, zu so jähem Verfall, ja tut das deutlich schneller als etwa Orangen, Mandarinen, Limetten, Äpfel, Gurken, Tomaten, Melanzani? Wieso schimmeln andererseits Champignons nicht? Sind Zitronen etwa so etwas wie die symbolische Fruchtwerdung des Prinzips der Entropie, der Ausdruck der physikalisch eindeutigen Tendenz, dass alles Seiende vom Zustand komplexer Strukturen ins Simple zerfällt, dass die Unordnung im Universum wächst? Liebe Biologen, erklärt's uns das bitte. (wg)

Reaktionen an: wolfgang.greber@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2017)

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