Was ist bloß mit Boris los?

Was treibt eigentlich BoJo den lieben langen Tag, der Mann mit der kunstvoll zerstrubbelten Frisur – der zweitoriginellsten Politikermähne der Welt –, der mit bürgerlichem Namen Alexander Boris de Pfeffel Johnson heißt?

Hat der britische Außenminister Papua-Neuguinea den Krieg erklärt? Hat er den Präsidenten von Malawi beleidigt und so eine diplomatische Krise innerhalb des Commonwealth ausgelöst, die nur Her Majesty herself, die Queen, ausbügeln könnte? Ist er seiner Parteifreundin, der Premierministerin Theresa May, im politischen Pas de deux auf die Zehen getreten?

Nichts von alldem. Skandaltechnisch ist das frühere Enfant terrible mit dem Auftreten eines Elefanten eine Enttäuschung. Bisher ist kein Fauxpas, keine Affäre und – fast – kein Nazi-Vergleich von ihm kolportiert. Als er noch nicht Chefdiplomat war, hat er von Trump bis Erdoğan alle verhöhnt. Was ist bloß mit Boris los?

Geboren in New York, legte er neulich die US-Staatsbürgerschaft nieder – nicht etwa aus Protest gegen den Präsidenten, sondern wegen der Steuern. Viele würden indes Millionen Dollar dafür zahlen. Johnson gab nicht nur die Option für eine Präsidentschaftskandidatur auf, sondern auch den Fluchtort, sollte der Brexit in die Hose gehen und die Briten jenen Politiker, der ihnen das Schlamassel eingebrockt hat, mit nassen Fetzen aus dem Land jagen. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2017)

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