Die totalitären Schlümpfe

Uruguay gibt es größere Aufregung: Ein Schulbuch sorgt für Streit.

In In diesem wird anhand der gut funktionierenden Dorfgemeinschaft der Schlümpfe der Kommunismus idealisiert: „Alle haben eine Wohnung, niemand muss hungern, alle haben Zugang zum Wasserbrunnen, er gehört niemandem, sondern allen.“

Es ist einmal mehr faszinierend, wie sehr die Schlümpfe die Fantasie Erwachsener anregen. 2011 behauptete ein Soziologe namens Antoine Buéno – allen Ernstes im besten Soziologenjargon –, die Schlümpfe seien Nazis: Sie würden in einer autarken, reinrassigen Gesellschaft leben, sich von einem Diktator, Papa Schlumpf, regieren lassen. Die einzige Frau, Schlumpfine, sei mit ihrem blonden Haar das Urbild einer Arierin und die Figur des Bösewichts Gargamel sei eindeutig eine antisemitische Karikatur.

Den Islamophobie-Vorwurf hat er dabei noch ausgelassen: Ist Azrael, die nicht minder unsympathische Katze von Gargamel, doch auch der Engel des Todes im Islam. Heute würde dieser Vorwurf wahrscheinlich als Erstes kommen.

Kann aber auch sein, dass Schlumpfhausen einfach der alten Märchenwelt nachempfunden ist: mit Prinzessin, Bösewicht und mehr als sieben Zwergen. Also eine Monarchie in der Staatsform. Mit Kaiser Franz Joseph als Role Model für Papa Schlumpf. (oli)

Reaktionen an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2017)

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