Pizzicato

Murmeltiertag im Weißen Haus

Frühmorgens schrillt der Twitter-Alarm, und schon schießt der Adrenalinpegel in der Höhe – beim schlaflosen Bewohner im Weißen Haus, der um die eigene Achse rotiert, und bei den Reportern.

Es ist Murmeltiertag in Washington: Wie in einem Albtraum geht alles von vorn los. News-Junkies sind sie allesamt – der atemlose Präsident mit der Aufmerksamkeitsspanne einer Hummel und dem Elefantengedächtnis und die Korrespondenten, die er auf Trab hält.

Eingepfercht in unterirdischen Arbeitskojen, auf der Jagd nach Exklusivstorys, unter Druck gesetzt, beschimpft und angepöbelt vom Staatschef: Da ist es eine Wohltat, dass sich wenigstens einer ihrer erbarmt. Tom Hanks, der gute Samariter von Hollywood, spendierte den hechelenden Korrespondenten neulich eine Espressomaschine – auf dass der Nachrichtenfluss und das vom Koffein getriebene Arbeitstempo im Zentrum der Macht nicht versiegen.

Auf der Leinwand werden Hanks und Meryl Streep in Steven Spielbergs „The Post“ Schlüsselfiguren bei der Aufdeckung des Watergate-Skandals verkörpern: Ben Bradlee und Katharine Graham den Chefredakteur und die Herausgeberin der „Washington Post“. Als Kettenraucher frönten sie einem weiteren Laster. Die Rauchschwaden haben sich längst verzogen – wie Richard Nixon, der damals in Schimpf und Schande vertriebene Amtsinhaber. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2017)

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