Linksruck, bitte kommen

Ein interessanter Titel fiel dem „Pizzicato“ in einer Zeitung auf: "Deutschland rückt nach rechts." Wegen Tendenzen zu strengeren Sicherheitsmaßnahmen. So etwas gab es links natürlich nie. Was für ein Paradies auch.

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Also was jetzt: Könnt ihr euch mal einig sein?
Also was jetzt: Könnt ihr euch mal einig sein? – Greber

Ein interessanter Titel fiel dem „Pizzicato" kürzlich in einer Zeitung auf: Über einer Geschichte, die von der generellen politischen Tendenz in (nicht nur) Deutschland zu schärferen Sicherheitsmaßnahmen, strengeren Gesetzen, ja einem „starken Staat" angesichts von Terror, höherer Kriminalität und seit nicht allzu langer Zeit blühenden Umtrieben handelte, stand: „Deutschland rückt nach rechts."

Nun, das ist ja echt besorgniserregend. Aber der Ruf nach dem starken Staat kann ja natürlich auch nur rechts ertönen, also überall dort, wo es nicht links von links ist. Hei, was waren und sind im Vergleich dazu linke Länder für Oasen von Liberalität und Wohlfahrt! Noch heut' weinen die Bürger sozialistischer Ex-Bruderstaaten wie Polen, der DDR, ČSSR und der guten alten Mami Sowjetunion der wonnigen Freiheitsära nach (die Jungen jetzt kennen das leider nicht mehr, ach, was die versäumt haben!).

Auch exsozialistische Systeme wie in Albanien, Algerien und Angola waren lebenswerte Nachtwächterstaaten, wo die Polizei höchstens Diebe fing und Senioren über die Straße half. China, Vietnam, Nordkorea, Venezuela, Bolivien: „Starker Staat" ist auch dort ein Pfui!-Wort, und alle sind da grundsätzlich richtig gut.

Echt: Man sollte mehr nach links rücken. Weil so wenige Vorschriften, Verbote und Sprachregeln, so nette und menschenrechtskultivierende Behörden und so breite Flüsse von Milch und Honig der Freiheit und Selbstentfaltung gibt's sonst nirgends. (wg)

Reaktionen an:wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2017)

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