Ferne Chefin

Frau Felipe will also das unmöglich Scheinende probieren: Sie wird die grüne Parlamentspartei von Innsbruck aus steuern. Eine aparte Idee, die enragierten Föderalisten gefallen mag. Und – auch das sei gesagt, sie wurde schon mehrmals realisiert. Der Erfolg allerdings hielt sich, nun ja, in Grenzen . . .

Da gab es in den 1970er Jahren den Grazer Bürgermeister Alexander Götz. Der freiheitliche Superstar trat das Erbe Friedrich Peters als blauer Parteichef an, wollte und konnte natürlich sein Amt in Graz nicht aufgeben. Seinen Widerwillen gegenüber Wien kleidete er in das denkwürdige Bonmot, der Südbahnhof sei ihm dort der liebste Ort: „Von dort kann man nach Graz heimfahren...“ Nun, es wurde 1979 eine ebenso denkwürdige Niederlage und Götz retirierte in sein Rathaus. Auch Jörg Haider lenkte sein blaues Fähnlein aus der Provinz. Klagenfurt war es diesfalls. Allerdings installierte er in Wien seine treue Susi Riess, die freilich schon nach zwei Jahren Regierungstätigkeit die Ehescheidung von Jörg vollzog. Man sieht, auch das war kein Erfolgsmodell.

Dass diverse Landeshauptleute, wie etwa der alte Krainer, der knorrige Wallnöfer oder der wesentlich jüngere Pröll aus der Ferne in Wien mitregierten, ist wieder eine andere Sache. Aber von Innsbruck aus – das hat noch niemand probiert. Mutig. (hws)

Reaktionen an:hans-werner.scheidl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2017)

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