Pizzicato

Geld für nichts

Neulich, im Baumarkt, zwischen Isolierbändern und Duschmatten, eine Eingebung, befördert durch die Dauerbeschallung der Warenhalle.

Die Dire Straits (und ihr Mitautor Sting) haben den Animus der Trump-Anhänger, Brexit-Fans und sonstigen sich von einer bösen Elite untergebutterten Zornbinkerln schon vor 32 Jahren in Viervierteltakt und treffende Worte gesetzt. „Money for Nothing“ vom brillanten Album „Brothers in Arms“ ist gewissermaßen ein Kampfgesang des Proletariers, der im Schweiße seines Angesichts mitansehen muss, wie eine popkulturelle Sonderklasse (heute würde man „Hollywood-Elite“ raunen) mit ein bisschen Gitarrezupfen und Trommelschlagen Geld für nichts einstreift und kostenlos die tollsten Mädchen bekommt. „Wir müssen Mikrowellenherde installieren / Maßküchenlieferung / Wir müssen diese Kühlschränke transportieren / Wir müssen diese Farbfernseher transportieren“, lautet das Lamento nach jeder Strophe. Doch im Gegensatz zum heutigen Elitenneid machten die grummelnden Arbeiter in „Money for Nothing“ nicht allein die Ungerechtigkeit der bestehenden Verhältnisse für ihr Untergebuttertsein verantwortlich. „Ich hätte Gitarre lernen sollen / Ich hätte Schlagzeug lernen sollen“, heißt es da. So eine bildungsaffine Selbstkritik stünde manchem Wutbürger nicht schlecht an. (go)

Reaktionen an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2017)

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