Pizzicato

Wiener Grantler

Pfingsten, das liebliche Fest, ist vorbei.

Und wir nehmen stark an, dass die Erkenntnis in Form einer weißen Taube auf den Wiener Bürgermeister herabgefleucht ist. Eine bittere Erleuchtung, die ihn schon mal noch grantiger machen kann, als er es ohnedies dauernd spielt. Der Zores beim Milliarden-Spitalsprojekt, der schnippische Abgang der dafür politisch verantwortlichen Stadträtin, die enervierende ständige Kritik des Rechnungshofs, der Rausschmiss des selbstherrlichen Generaldirektors des Krankenanstaltenverbunds, dessen Arroganz einer gewissen Unsicherheit und Überforderung entsprang. Ganz zu schweigen von der Penetranz, mit der sein Wohnbaustadtrat allüberall auftritt, umjubelt und beklatscht, seiner Sache schon sehr sicher.

Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren. Dazu gesellen sich Schlampereien und Strafversetzungen in den diversen Magistratsabteilungen, der Druck, den ein Schnäppchenjäger am Heumarkt mit seinem Wohnhochhaus ausübt. Gut, dass ein Ende der politischen Berufstätigkeit abzusehen ist. Aber bitte: Noch funktioniert die städtische Müllabfuhr. Der verzweifelte Wien-Liebende Karl Kraus hat schon recht gehabt: „Ich verlange von einer Stadt, in der ich leben soll: Asphalt, Straßenspülung, Haustorschlüssel, Luftheizung, Warmwasserleitung. Gemütlich bin ich selbst.“ (hws)

Reaktionen an: hans-werner.scheidl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2017)

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