Claus und die Curry-Wurst

Am allerliebsten hätte er bis zum Ende seiner Tage weitergemacht – oder gleich bis zum Untergang des Abendlands, was womöglich aber ohnehin zusammenfällt. Das Ende einer Ära fühlte sich jedenfalls an wie ein kleiner Theatertod, von dem Claus Peymann seit Jahr und Tag raunt. Für den laut Selbsteinschätzung größten Theatermacher deutscher Zunge, den letzten Dinosaurier der Regiezampanos, fiel nach einer Ewigkeit von 18 Jahren als Direktor am Berliner Ensemble der letzte Vorhang.

Ein bunter Abend am Brecht-Theater unter dem ein wenig larmoyanten Motto „Der Abschied“, der kein Ende nehmen wollte. Ein politisches Potpourri in der Tradition des Hauses. Eine richtige Berliner Sause. Der Berserker Einar Schleef war hier bei Proben samt Ensemble ja einst sogar in die Spree gesprungen – ein sportliches Statement. Peymanns Wiener Weggefährten hätten gewiss ein Dramolett in Bernhard'scher Manier inszeniert, gefärbt in lokalen Idiom: „Claus Peymann geht ab und isst 'ne Curry-Wurst.“

Keine Angst, Claus Peymann kommt wieder. Die Leitung des Burgtheaters, seiner alten Hassliebe, wollte sich der 80-Jährige zwar nicht mehr antun. Als Regisseur wird er aber nach Wien zurückkehren – als zorniger alter Mann, als Deus ex Machina, als Wiedergänger des Bruscon: 2019, also demnächst in diesem Theater. (vier)

Reaktionen an:thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Claus und die Curry-Wurst

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.