Pizzicato

Auf der Reeperbahn, um halb eins

Es gibt durchaus viel zu besprechen beim G20-Gipfel in Hamburg.

Die Rettung des Klimas, der Ozeane, mithin der großen, weiten Welt: All das kann ganz schön anstrengend sein, und es wird die Weltenlenker bis an den Rand der Erschöpfung bringen. Doch so richtig ungezwungen – um nicht zu sagen zwanglos – ist die Gesprächsatmosphäre an den Veranstaltungsorten, der sterilen Messehalle und der hippen Elbphilharmonie, ja eher nicht.

Hamburg lockt indes mit ganz anderen Verheißungen: St. Pauli, der Reeperbahn, der Großen Freiheit, der Hebertstraße. Darüber könnte Paul McCartney, der Pilzkopf aus Liverpool, den einen oder anderen Song singen. Offiziell steht ein Betriebsausflug in die Hamburger Halb- und Unterwelt zwar nicht auf dem Besuchsprogramm der Gipfelteilnehmer. Doch Bill Clinton oder Silvio Berlusconi, die Womanizer unter den Staats-und Regierungschefs, hätten einst gewiss einen Lokalaugenschein im Rotlichtbezirk vorgenommen.

Wir stellen uns vor, wie Donald Trump, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdoğan die gestrenge Gastgeberin überlisten und sich davonstehlen, um – frei nach Hans Albers – auf der Reeperbahn, nachts um halb eins, zu singen, zu schunkeln, Brüderschaft zu feiern, die „Puppen“ tanzen zu lassen und dabei die Welt untereinander aufteilen. Und dann sind wir aus dem Albtraum erwacht. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com



[NOC7J]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2017)

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