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In Seenot

Wenn die Geschichte erfunden ist, dann ist sie gut erfunden.

Die Hilfsorganisation Sea-Eye, die im Mittelmeer in Seenot geratene Flüchtlinge aus Schlauchbooten fischt, meldet einen etwas ungewöhnlichen Rettungseinsatz. Sie sei beauftragt worden, dem Schiff C-Star zu Hilfe zu eilen. Dazu muss man wissen: C-Star ist jenes Schiff, das von den politisch rechten Identitären gechartert wurde, um die Rettungseinsätze der NGOs im Mittelmeer – also jener Schiffe wie Sea-Eye – zu boykottieren. Es wäre nicht die erste peinliche Panne für die Identitären: Auf Zypern war der Kapitän der C-Star ausgerechnet wegen des Vorwurfs der Schlepperei vorübergehend festgenommen worden, weil einige Tamilen aus seiner Besatzung um politisches Asyl angesucht hatten.

Sea-Eye hat den Auftrag jedenfalls angenommen. „In Seenot Geratenen zu helfen, ist die Pflicht eines jeden, der auf See ist – unterschiedslos zu ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Gesinnung“, wird auf der Facebook-Seite der Organisation genussvoll formuliert. Man darf gespannt sein, wie sich das weiterentwickelt: Gibt es bald Bilder von geretteten Identitären, in Alu-Umhänge gewickelt? Wird man sehen, wie sie auf Lampedusa abgesetzt werden? Oder werden die Identitären ihrer Haltung treu bleiben und die eigene Rettung boykottieren? (maf)

Reaktionen an: martin.fritzl@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2017)

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