Pizzicato

Sommerinterviews

Sommergespräche, Fernsehduelle, Konfrontationen, Elefantenrunden: In den nächsten Wochen werden wir uns ihrer nicht erwehren können.

Seit den Siebzigerjahren ist die Zahl der Medien explodiert und allen, allen müssen die Wahlwerber gefällig sein. Das ist mühsam – für die Akteure, für die Interviewer, für die Konsumenten, also die p. t. Wähler. Früher ging es gemächlicher zu. Zu den klassischen Übungen der Journalisten – zugleich die beliebteste Spielart im Hochsommer – zählte ein Ausflug nach Mallorca, wo Bruno Kreisky in seiner eher bescheidenen Villa residierte. Jeglicher Journalist war dort willkommen, auch wenn der alte Mann mehr als einmal brummte: „Steht scho' wieder einer am Gartentürl . . .“ Als die „Profil“-Chefredakteure Helmut Voska und Alfred Worm von einem derartigen Trip nach Hause kamen und das Tonband des insgesamt siebenstündigen Interviews abhörten, packte sie der Schreck: Kein Ton war zu vernehmen. Was tun? Die beiden, erfahren im Umgang mit dem „Alten“, rekonstruierten, so gut sie eben konnten, das Interview aus dem Gedächtnis, mischten alte Aussagen aus früheren Gesprächen dazu und legten es dem Kanzler zum üblichen Korrekturlesen vor. Bald darauf kam ein Anruf vom Ballhausplatz: „Seh'n S', meine Herren, endlich transferieren Sie, was ich wirklich g'sagt hab!“ (hws)

Reaktionen an: hans-werner.scheidl@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2017)

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