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Der Fiaker der Weltpolitik

Nur gut, dass im Kreml ein Mann sitzt, ein echter Freund Österreichs.

Als gelernte Österreicher leiden wir mitunter ja darunter, dass die Welt seit den Tagen des hingeschiedenen Kaisers Franz Joseph – also seit mehr als 100 Jahren – unsere wahre Größe nicht ausreichend zu würdigen weiß. Nur gut, dass wenigstens im Kreml ein Mann sitzt, ein echter Freund Österreichs, der an Wien mehr zu schätzen weiß als den Kaffee und die Sachertorte.

Also sprach Wladimir Putin, mit einem Seitenhieb gegen seinen Widerpart in Washington: „Es ist schwer, mit Leuten zu verhandeln, die Österreich und Australien miteinander verwechseln.“ Zuvor hatte der Kreml-Herr den Macho heraushängen lassen: „Trump ist nicht meine Braut, ich bin nicht sein Bräutigam.“ Zwischen den beiden Buddys hängt der Haussegen wohl gerade ziemlich schief.

Wir wüssten einen, der bald Zeit hätte, zwischen den Antipoden des Kalten Kriegs zu vermitteln: Michael Häupl. Noch ist der Wiener Bürgermeister mit Wahlkampf beschäftigt, einer „Zeit fokussierter Unintelligenz“, wie er es in einem Bonmot auf den Punkt gebracht hat. Touché, monsieur le maire. Doch im Jänner, wenn in Wien womöglich bereits eine neue Koalition reagiert – und die Welt noch steht –, könnte ein unausgelasteter Häupl an die Tradition Metternichs, des „Kutschers Europas“, anknüpfen: als Fiaker der Weltpolitik, der beim Heurigen zwischen den Streithähnen schlichtet. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2017)

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