Being Christian K.

Im Hintergrund lief ein sehr aufputschender Remix von Elvis' „A little less Conversation“. „Grrrrr“, sagte Christian K., als er in den Spiegel blickte, um seine Krawatte zu richten. „Grrrrr“, sagte er noch einmal.

Irgendwie gefiel ihm dieser neue Modus, den er vorher nur von Heinz-Christian Strache gekannt hatte. Die Aggressionen raus lassen, die Medien beschimpfen – das hatte schon was Befreiendes. Man spürte sich irgendwie wieder. Solche Kämpfer waren die alten Sozialdemokraten auch gewesen. „Grrrrr.“

Denn eines musste man schon sagen: Die Welt, so wie sie war, war extrem ungerecht. Wie konnte ein so lässiger, gut aussehender 51-Jähriger, einer mit dieser unglaublich sonoren Stimme, dessen iPhone-Playlist alle bis auf Niko Alm alt aussehen ließ, der die Bücher, deren Autoren er ehrte, auch gelesen hatte – anders als sein Vorgänger – er, der Start-up-Kanzler, der Top-Manager aus der Wirtschaft, der zur neuen Ikone der europäischen Sozialdemokratie aufgestiegen war, wie konnte so einer nur gegen einen 31-jährigen Schnösel verlieren?

Christian K. verstand die Welt, so wie sie war, nicht mehr. Aber er würde noch heute daran gehen, diese Welt zu ändern, sich holen, was ihm zusteht. Er stellte die Musik leiser und griff zu seinem Mobiltelefon, wählte „Kontakte“ und drückte auf „HC“. (oli)

Reaktionen an:oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2017)

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