Pizzicato

Britischer Humor

Erinnert sich eigentlich noch jemand an David Mellor? Vor 25 Jahren amtierte der Tory kurz als Minister für das nationale Kulturerbe.

Im Gedächtnis blieb er den Briten indes nicht als Retter von Windsor Castle oder Westminster Abbey, sondern wegen seiner Affäre mit einer viel jüngeren Schauspielerin: Zum Geschlechtsverkehr, so kolportierte es die „Sun“ – und nicht allein die Yellow Press –, trat er im blauen Trikot seines Lieblingsklubs Chelsea an. Als seine Geliebte dies in einem „Kiss and tell“ ausplauderte, war es um den verheirateten Minister geschehen – und um sein Intermezzo in der Politik. Im Übrigen wurde er dann konsequenterweise selbst Journalist.

Die Tories sind unverbesserlich – und setzen für einen Gag ihre Karriere aufs Spiel. Umweltminister Michael Gove, nebenbei Kolumnist in der „Times“, parierte eine Journalistenfrage mit dem Konter, sein Gegenüber wolle ihn damit wohl ins Schlafzimmer von Harvey Weinstein entführen. Und Staatssekretär Mark Garnier schickte seine Assistentin (er nannte sie „Sugar Tits“) zum Kauf von Vibratoren in einen Sexshop. Alles nur ein „practical joke“, britischer Humor eben. So lässt sich nicht zuletzt der Brexit erklären.

Nun warten wir nur noch, was Chefdiplomat Boris Johnson, immer gut für ein Bonmot und nicht frei von Fauxpas, dazu zu sagen hat – am besten in seiner Kolumne im „Sunday Telegraph“. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2017)

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