Pizzicato

In der neuen Klasse

Alle waren aufgeregt und herausgeputzt, geschnäuzt und gekampelt wie beim ersten Schultag.

Sie hatten ihren Sonntagsstaat – eine ihr Dirndl – angelegt, sie kicherten und schnatterten, witzelten und spöttelten. Und manche spielten mit dem Handy, ehe es ernst wurde, die Hymne ertönte und ihre Namen aufgerufen wurden.

Im neuen Ambiente, dem Redoutensaal der Hofburg, lächelte Dorli Bures, die abgewählte Klassensprecherin, bemüht müde beim philosophischen Referat Herbert Kickls, der seine Mitschülerin Eva Glawischnig vermisste. Sie war sitzen geblieben. Oben auf der Galerie blickte der Direktor – alias Alexander Van der Bellen – grimmig auf die schlimmen Buben, und die gestrenge Oberlehrerin Irmgard Griss mahnte zu Moral und Disziplin. Ohne ihren Anführer Peter Pilz wirkte seine Liste indes ein wenig verloren in der letzten Reihe.

Kickls Kameraden – unter ihnen viele mit Schmissen und ihr alter Freund Robert Lugar – waren eigens in die Berge geklettert, um Edelweiß zu pflücken, das sie sich aufs Revers hefteten. Die Neos hatten dagegen Kakteen mit pinkfarbener Blüte mitgebracht. Die Biologielehrerin war hellauf begeistert über den Enthusiasmus nach den langen Ferien. Wie ein Honigkuchenpferd strahlte derweil zunächst Elli Köstinger – ganz neu in der Klasse und schon Klassensprecherin, wenngleich bereits am ersten Schultag gemobbt. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2017)

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