Natürlich ist Politik ein grausames, manchmal grausliches Geschäft. Wer in den Augen seines Parteichefs einmal versagt, muss gehen. Zumal in Deutschland. Angela Merkel, zu Zeiten der Wende noch als „Kohls Mädchen“ belächelt, hat sie nun endgültig alle entsorgt, die männlichen Rivalen. Jeder von ihnen glaubte einst, klüger, schlauer und besser vernetzt zu sein als die CDU-Vorsitzende. Ja, denkste! Wer kennt noch Friedrich Merz? Oder Rüttgers und Koch, Guttenberg und Wulff – alle sind sie von Frau Merkel weggekegelt worden. Freiwillig zurückgetreten, selbstverständlich. Nur Herr Röttgen, der jüngste Wahlverlierer, klammerte sich an sein Ministeramt. Die Abschiedsrede der Regierungschefin dauerte 60 Sekunden. So kalt war „Angie“ bisher selten. Obwohl: Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble wissen da mehr darüber. Ob ihr diese wilde Entschlossenheit im kommenden Jahr bei den Neuwahlen dienlich sein wird – man muss abwarten. Immerhin hat die SPD mit Hannelore Kraft eine milde Dame „von nebenan“, eine sympathisch gestylte Figur wie aus der „Lindenstraße“, die in Nordrhein-Westfalen mit dem Gegenmodell Rot/Grün regiert. Ein direktes Duell der beiden Damen im Wahljahr 2013 – das hätte was. hws
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2012)















