Österreich als Großmacht: Zumindest bei den heurigen Filmfestspielen im schönen südfranzösischen Cannes präsentiert sich unser kleines Landl heuer mit stolz geschwellter Brust: Wir haben zwei Filme im Bewerb! Unseren auch nicht eben großen Nachbarn im Westen scheint da doch der Neid gepackt zu haben. In der „Neuen Zürcher Zeitung“ wird Ulrich Seidls Beitrag Paradies: Liebe zwar durchaus gewürdigt, gleichzeitig aber auch kritisch angemerkt: „Man darf sich fragen, warum es immer wieder die österreichischen Filmemacher sind, die in diesen Werken von gesellschaftlich-sexueller Perversion umgetrieben werden.“ He, ihr prüden Eidgenossen! Ihr müsst doch wissen, dass auch Sigmund Freud und Wilhelm Reich einst unserem Biotop entwuchsen?
Regieweißbart Michael Haneke wiederum, auch er mit „Amour“ in Cannes und von einigen als Topfavorit für die „Goldene Palme“ gehandelt, beklagt die Abwesenheit von Kulturministerin Claudia Schmied an der Croisette, wertet das als „etwas peinlich“. Nur, womöglich hat Haneke damit der Ministerin eine Riesenfreude gemacht: So viele wichtige Veranstaltungen im In- und Ausland gibt es nämlich nicht, bei denen ein Kommen Schmieds geradezu herbeigesehnt wird. BB
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2012)















