Noch ein Nachtrag zur „Welt bis gestern“ über den Christlichsozialen Karl Lugmayer. In seinem Nachlass fand sich ein Brief, den er im Jahr 1967 an den Exminister Tschadek (S) gerichtet hat. Lugmayer, der ein Intimus von Julius Raab war, erzählt darin, was sich vor dem Flug der österreichischen Viererdelegation 1955 nach Moskau abspielte, die schließlich glücklich den Staatsvertrag heimbrachte. Was aber vorher keiner wissen konnte. Es war ja wirklich ein Flug ins Ungewisse.
Raab zu SPÖ-Chef Adolf Schärf: „Herr Vizekanzler, fliegen Sie mit?“ – Schärf: „Ich kann nicht. In meiner Partei gibt es einen Beschluss, dass jeder Besucher Moskaus aus der Partei ausgeschlossen wird.“ – „Ich mache Sie aufmerksam, dass Sie dann als Vertreter Ihrer Partei an der Erreichung eines Staatsvertrages unbeteiligt sind.“ – „Ich werde heute noch einmal mit dem Parteivorstand sprechen.“
Wenig später bekam Schärf grünes Licht für den Flug. Als alles glücklich ausgegangen war, brummte Raab auf dem Heimflug hinüber zu seinem liebsten Parteigegner: „Na, Herr Vizekanzler, werden S' jetzt ausgeschlossen, wann mir in Österreich landen?“ hws
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2012)















