Wien/W.W. Es war dem IOC-Präsidenten Rogge ein großes Anliegen, dass bei den Sommerspielen 2012 in London in allen antretenden Teams zumindest eine Frau vertreten ist. Er feierte das nach der Einführung von Jugendspielen auch bei der Eröffnungsfeier als eine Art persönlichen Triumph. Rogge sprach von einer historischen Entwicklung. Und diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. Die olympische Familie befindet sich im Wandel der Zeit, gelöst hat man nun ein weiteres Problem. Denn die muslimische Sportlerin Shaherkani darf nun doch mit einer speziell angefertigten Bedeckung starten. Es ist ein historisches Ereignis, das aber ein langes Vorspiel hatte. Ein Vorspiel, das von Irrungen und Wirrungen begleitet war.
Lange Verhandlungen
Die historische Olympia-Premiere der saudiarabischen Judoka Wodjan Ali Seraj Abdulrahim Shaherkani ist gesichert. Die Sportlerin darf am Freitag mit einer Kopfbedeckung starten, teilte die Sprecherin des saudischen Nationalen Olympischen Komitees, Razan Baker, in London mit. Darüber hatte es mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem Internationalen Judoverband (IJF) Verhandlungen gegeben. Alle drei Parteien hätten sich am Nachmittag auf ein speziell designtes Kopftuch geeinigt. Auch IJF-Sprecher Nicolas Messner bestätigte, die 16 Jahre alte Shaherkani werde antreten.
Shaherkanis Vater hatte der Zeitung „Al Watan“ zuvor gesagt, er werde seine Tochter ohne traditionellen Hidschab nicht starten lassen. Die IJF hatte eine Teilnahme ohne Kopftuch zur Bedingung für ihren Start gemacht. Das Kopftuch entspreche nicht den Regeln, sagte IJF-Präsident Marius Vizer. Außerdem gehe davon eine Verletzungsgefahr aus.
Proteste
Shaherkani ist eine von zwei Athletinnen, die das Nationale Olympische Komitee Saudiarabiens für die London-Spiele nominiert hat. Neben ihr geht die in den USA lebende 800-Meter-Läuferin Sarah Attar an den Start. Bei der Eröffnungsfeier hatten beide Sportlerinnen Kopftücher getragen.
Das Tragen des Schleiers ist in Saudiarabien für Frauen Pflicht. Die Athletinnen haben bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme in der Geschichte ohnehin einen schweren Stand. Denn ihr Start hatte in Saudiarabien Proteste in religiös-konservativen Kreisen ausgelöst.















