Ein frommer General aus der zweiten Reihe

13.08.2012 | 18:14 |   (Die Presse)

Der neue Armeechef al-Sisi erregte mit der Rechtfertigung von "Jungfräulichkeitstests" Aufsehen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Kairo/M.g./Red. Mit 57 Jahren ist Abdel Fatah al-Sisi einer der jüngsten Verteidigungsminister in der Geschichte Ägyptens. Seine Wechsel auf den Chefsessel des Ministeriums, den Vorgänger Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi seit 1991 innehatte, ist die spektakulärste Änderung an der Führungsspitze der ägyptischen Streitkräfte seit zwei Jahrzehnten.

Al-Sisi war zunächst bei der Infanterie und später Kommandeur des Armeebereichs Nord. Anders als sein Vorgänger Tantawi nahm er an keinem Krieg aktiv teil. Nach dem Sturz von Machthaber Hosni Mubarak im Februar 2011 wurde al-Sisi Chef des Militärgeheimdienstes.

Er erlangte im März 2011 zweifelhafte Bekanntheit, als er gegenüber Amnesty International die sexuellen Übergriffe von Soldaten gegen Demonstrantinnen rechtfertigte. Die verhafteten Frauen waren gegen ihren Willen von Militärärzten sogenannten „Jungfräulichkeitstests“ unterzogen worden. Al-Sisi sagte, die Armee habe die Tests durchgeführt, damit die Demonstrantinnen nicht später behaupten könnten, sie seien vergewaltigt worden.

Al-Sisi gilt als ehrgeizig und durchaus fromm – ohne jedoch den Muslimbrüdern oder einer anderen islamistischen Bewegung anzugehören.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Top-News

  • Wie man „einsame Wölfe“ stoppt
    Ein Amokläufer mit Axt in New York, zwei Attentäter in Kanada, die Marathonbomber von Boston: Forscher warnen seit Langem vor dem Reiz, den Terror auf einsame, haltlose junge Männer ausübt
    14-Jähriger läuft in US-High School Amok
    Der Amokläufer tötete im US-Staat Washington einen Mitschüler und sich selbst. Drei Jugendliche wurden schwer verletzt.
    Kanadas 90 Sekunden Horror
    Anschlag in Ottawa. Ein Video zeigt die unglaublich rasche Abfolge der Ereignisse vom Attentat am Kriegsdenkmal bis zur Erstürmung des Parlaments.
    Ukraine: Der Maidan will ins Parlament
    Bei den Parlamentswahlen am Sonntag will Präsident Poroschenko seine Hausmacht im Abgeordnetenhaus stärken. Als Kandidaten mischen viele Aktivisten der Zivilgesellschaft mit.
    2015 – das Jahr der FPÖ (und der Grünen)
    Die politischen Umstände in den Ländern, die nächstes Jahr wählen, könnten für die stagnierenden Freiheitlichen nicht günstiger sein. Auch auf die Grünen warten weitere Erfolge, wenn auch nicht mehr im Ausmaß der Jahre 2013 und 2014.
    Fenninger: Saisonstart einer Olympia-Siegerin
    Auftakt Skiweltcup. Die 25-jährige Salzburgerin Anna Fenninger wächst zunehmend in die Rolle des Superstars.
AnmeldenAnmelden