Wir wissen nicht, wie Richard Starkey vulgo Ringo Starr den heutigen Tag verbringt, ob er Billard spielt, am Pool seines Hauses in Los Angeles sitzt oder gar am Schlagzeug. Wenn er die Zeitungen durchsieht, dann wird er vielleicht etwas über die Band lesen, deren Drummer er bis 1970 war. Heute ist eine der vielen Möglichkeiten, ein Beatles-Jubiläum zu begehen: Denn es war der 18.August 1962, als Ringo Starr das erste Konzert mit John Lennon, Paul McCartney und George Harrison spielte – in Port Sunland, einem kleinen Ort in der englischen Grafschaft Merseyside, am Fluss Mersey.
Auf der anderen Seite dieses Flusses liegt Liverpool, die Stadt, in der Starkey geboren wurde, als Sohn eines Dockarbeiters, in einem heute vom Abriss bedrohten Backsteinhaus im Hafenviertel Dingle. Als Kind war er viel im Spital, versäumte oft die Schule. Schlagzeug spielte er erst bei Rory Storm & The Hurricanes, die im rauen Hamburger Nachtleben ihre ersten Auslandserfahrungen gesammelt hatten – wie die Beatles. Diese warben ihn im August 1962 ab.
Mit seinem typischem Stil (zischende High-Hat, dumpfe Wirbel!) prägte er den Sound – und verkörperte im Quartett den wortkargen, herzigen, täppischen „Underdog“. Wenn ihn seine Kollegen auf Meditationsseminar mitnahmen, sagte er, das erinnere ihn an die (tristen) Ferienlager seiner Kindheit. Wenn er sang, dann meist Country oder naive Melodien wie „Yellow Submarine“, „Octopus's Garden“ (selbst komponiert) oder „With A Little Help From My Friends“. Seine Beatles-Freunde halfen ihm auch nach 1970, so schrieb ihm Lennon „Goodnight Vienna“ und „I'm The Greatest“. Das hatten ihm die Beatles schon 1968 auf einer Ansichtskarte versichert, als er die Band, enerviert von den Streitereien, kurzfristig verlassen hatte. Heute muss man ihm das nicht mehr sagen; seine Vaterstadt ist stolz, wenn er ihr ein Lied widmet. Und dass er schlank, rank und bei Stimme ist, hat er vor einem Jahr in Salzburg bewiesen. Seinen 72.Geburtstag hat er am 7.Juli in Nashville gefeiert, unter dem schönen Motto, das er sich aus seinen Twens bewahrt hat: „Peace and love“. tk
[AP/Shananan]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)















