Ein „Kommunist“ für alle Fälle

06.12.2012 | 18:51 |   (Die Presse)

Ein Held wider Willen: Othmar Karas, „der“ Europäer und ÖVP-Rebell, der Strasser (noch mehr) straucheln lässt.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Das „Format“ nannte ihn kürzlich sogar einen „Kommunisten“ – eine Anspielung nicht auf seine Gesinnung, sondern auf den Wahlerfolg Elke Kahrs in Graz: ein Überraschungserfolg von einer/einem, die/der anders ist. Das Volk tut eben nicht immer so, wie der Parteiapparat es erwartet: Das weiß Othmar Karas, 54, seit 1999 EU-Abgeordneter der ÖVP, seit dem Fall Ernst Strassers 2011 (erneut) ÖVP-Delegationsleiter sowie seit 2012 Vizepräsident des EU-Parlaments, genau. Immerhin holte er gegen den damals als unbescholten geltenden Unternehmer Strasser bei der EU-Wahl 2009 113.000 Vorzugsstimmen in einem von der ÖVP völlig unbeabsichtigten innerparteilichen Duell: Viele Wähler hätten lieber den emsigen, etwas faden, aber stets überzeugten und kompetenten Europapolitiker als Nummer eins gesehen – und nicht Strasser, den einstigen Innenminister von Schwarz-Blau und (damaligen) Günstling von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll.

Kompetenz ist es auch, was Karas aus allen politischen Lagern zugestanden wird. Seine Europaliebe ist ihm ausgerechnet in der selbsternannten Europapartei ÖVP zum Verhängnis geworden: weil er, mit der EU-Brille auf der Nase, schon oft anders abgestimmt oder sich anders geäußert hat als von der Partei gewünscht. Jüngstes Beispiel: Karas' Rüge für Parteichef Michael Spindeleggers Vetodrohung zum EU-Budget.

Auf der anderen Seite stehen Karas' Biederkeit, seine Umständlichkeit, wovon auch (Ex-)Mitarbeiter sprechen. In Interviews kommt er nicht immer zum Punkt. Ob ihn die ÖVP 2014 zum EU-Spitzenkandidaten macht, ist fraglich. Karas wiederum, der Wirtschaftsrechtsabsolvent und Ex-JVP-Chef, verheiratet mit Waldheim-Tochter Christa und Vater eines Sohnes, schließt nicht aus, schon bei der Nationalratswahl 2013 mit seinem überparteilichen „Bürgerforum Europa“ anzutreten. pö [Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Top-News

AnmeldenAnmelden