Ein riesiger Palast für den König von Erl

27.12.2012 | 18:20 |   (Die Presse)

1997 gründete der Musiker Gustav Kuhn die Tiroler Festspiele. Nun erhielt das Dorf ein Opernhaus mit 860 Plätzen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Er wirkt als Dirigent und Komponist. Vor allem aber ist Gustav Kuhn, der in Turrach 1945 geboren wurde und in Salzburg aufwuchs, ein Mann mit starkem Willen und mit Visionen. Wie sonst sollte man erklären, dass einer es sich in den Kopf setzt, just in für die Kultur prekären Zeiten ein Opernhaus zu schaffen und mitten auf dem Land in der schönsten Tiroler Idylle zu realisieren. In Erl nahe Kufstein steht nun ein zweites Festspielhaus, in das, bestuhlte man auch den riesigen Orchestergraben noch dazu, die 1500 Dorfbewohner beinahe vollständig passten.

Mehr zum Thema:

Kuhn, der in Erl Wagners „Ring“ in 24 Stunden gegeben und bis heuer dessen zehn große Opern in eigener Regie aufgeführt und dirigiert hat, besitzt ebenfalls den Willen zur Größe. Seine Musikleidenschaft wurde früh geweckt. Er lernte mit fünf das Violinspiel, mit sieben Klavier, studierte in Salzburg und Wien Komposition und Dirigieren (unter anderem bei Swarowsky, Karajan und Maderna) sowie zugleich auch Philosophie, Psychologie und Psychopathologie. 1970 promovierte Kuhn an der Uni Salzburg, da hatte er den ersten Preis beim Internationalen Dirigentenwettbewerb des ORF bereits gewonnen.

Seine Laufbahn als Orchesterleiter führte ihn über Istanbul, Holland, Italien, Deutschland nach Wien, schließlich sogar in die meisten großen Häuser. Kuhn, ein streitbarer Geist, wurde Generalmusikdirektor in Bern und Bonn, Chefdirigent in Rom, er ist Leiter des Gesangswettbewerbs „Neue Stimmen“, gründete die Accademia di Montegral und engagierte sich stark in Südtirol. Seit 1997 aber ist sein Name fest mit Nordtirol verbunden. In Erl ist dieser Musiker wirklich ein König. norb

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

Top-News

  • Ist die Ganztagsschule abgeblasen?
    Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verteidigt ihren Plan, bei den Ganztagsschulen zu sparen. Die Mittel seien bislang ohnehin nicht ausgeschöpft worden.
    Gefahr durch geheime EU-Deals
    Das System der EU ist wegen seiner Komplexität korruptionsanfällig, kritisiert Transparency International. Die Letztentscheidung in wichtigen Fragen fällt zu oft ohne Öffentlichkeit.
    Telekom Austria: Der viel kritisierte "Wunschpartner"
    Telekom. ÖIAG und América Móvil feiern ihre spät besiegelte Partnerschaft. Das Chaos sei vorbei. Nun wollen die Mexikaner mit der TA in Europa vor allem eines: Wachsen, wachsen, wachsen.
    Hans Hollein: Auf dem Mond - oder woanders
    Am Donnerstag ist einer der großen Architekten und Künstler, die Österreich in der Welt vertraten, nach langer Krankheit gestorben. Hans Hollein wurde 80 Jahre alt. Sein Jubeljahr wird zum Jahr der Erinnerungen an den Universalisten.
    Moskau startet Manöver
    Angesichts Kiews "Antiterror-Operation" hält Moskau Militärübung in Grenznähe ab. Ukrainische Truppen melden indes Erfolge.
    Bankensteuer: Lenkt die SPÖ ein?
    Das "Presse"-Interview mit Wirtschaftsminister Mitterlehner über eine Reduktion der Bankenabgabe sorgt für zahlreiche Reaktionen. Die SPÖ verlangt nun genaue Berechnungen.
AnmeldenAnmelden