Kim Dotcom: Mit 50 Gigabyte zur Legalität

Kim Dotcom verdiente mit Usern, die seinen Internet-Dienst Megaupload für illegalen Datentausch nutzten, Millionen. Jetzt versucht er offiziell den Gang in die Legalität.

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Kim Dotcom – (c) Reuters (NIGEL MARPLE)

Wellington/Wien/Ag/Red. Allein die Markteinführung sagt mehr über den aus, dem die Marke gehört, als viele Erklärungen: ein Hubschrauber, aus dem sich Stuntmen in Kampfanzügen abseilen, mit Platzpatronen schießen und brüllen „Ihr seid alle verhaftet“; Tänzerinnen in Uniformen, die den Gastgeber abführen – alles so wie bei einer Polizeiaktion vor genau einem Jahr, als der Gastgeber tatsächlich verhaftet wurde, nur eben nicht von feschen Tänzerinnen, sondern von echten Polizisten.

Kim Schmitz, der seinen Nachnamen – auch das sagt viel über seine Persönlichkeit – in „Dotcom“ geändert hat, stellte jetzt seinen neuen Internet-Datenspeicherdienst „Mega“ vor. Sein letzter, „Megaupload“, hatte ihm 2012 den Polizeibesuch in seiner neuseeländischen Heimat beschert. Der Filehoster, so wirft ihm eine Anklage in den USA vor, sei vor allem dazu missbraucht worden, unerlaubt Filme und Musik im Internet zu verbreiten. Um die Attraktivität von Megaupload zu erhöhen, hätten Kim und seine Geschäftspartner auch selbst Filme hochgeladen und sich damit strafbar gemacht.

Mit der illegalen Internet-Tauschbörse habe der Deutsche (geboren 1974 in Kiel) Millionen verdient: Allein 2010 sollen es laut der 72 Seiten dicken Anklage 42 Millionen Dollar gewesen sein.

Alles nicht wahr, sagt natürlich Dotcom. Er habe nur den Speicherplatz zur Verfügung gestellt. Was Menschen damit machen, sei nicht seine Sache. Und weil er davon fest überzeugt ist, baut sein neues Geschäftsmodell genau darauf auf: mega.co.nz ist ein Filehoster ähnlich wie Dropbox – nur viel größer und mit einem Unterschied: Alle hochgeladenen Daten werden verschlüsselt. Dass der Nutzer davon profitiert, dürfte ein Nebeneffekt sein. Hauptgrund für Dotcom war, mit einem „Heer von Anwälten“ sicherzustellen, dass er nicht mehr für die Inhalte seines Speicherdienstes haftet. Und das tue er deswegen nicht, weil er aufgrund der Verschlüsselung nicht kontrollieren könne, welche Daten hochgeladen werden.

 

50 Gigabyte Gratisspeicherplatz

Klotzen, nicht kleckern, gilt bei der Party ebenso wie beim Datendienst: 50 Gigabyte stehen dem Nutzer von Mega kostenlos als Speicherplatz zur Verfügung. Bei der Konkurrenz sind es zwei, maximal fünf Gigabyte. Für mehr Platz zahlt man, und damit will Schmitz künftig ganz legal Geld verdienen.

Freilich kann Mega, genauso wie andere Speicherdienste, genützt werden, um Filme und Musik im Netz zu teilen: Man braucht nur einen Link zum Speicherplatz und bei Mega eben das Passwort für die Entschlüsselung.

Doch Schmitz will damit nichts (mehr) zu tun haben und weist seine Nutzer in den Geschäftsbedingungen darauf hin, dass man sowohl IP-Adressen als auch Verkehrsdaten und die Nutzung speichere. Auf die Daten können Gerichte dann im Klagsfall zugreifen.

Ob Kim Dotcoms Zukunft mit Mega so erfolgreich und glamourös sein wird wie seine Vergangenheit, darf bezweifelt werden. Nicht nur wegen der drohenden Haftstrafe, auch deswegen, weil es nicht mehr viel glamouröser geht: Teure Häuser, teure Autos, teure Partys – all das ermöglichte Megaupload, das laut Berechnungen für vier Prozent des Internet-Datenverkehrs verantwortlich war.

Demnächst soll entschieden werden, ob Dotcom von Neuseeland an die USA ausgeliefert wird. Dort drohen ihm wegen Copyright-Vergehens bis zu 20 Jahre Haft.

Auf einen Blick

Kim Dotcom (vormals Schmitz) stellte in Neuseeland seinen neuen Cloud-Speicherdienst Mega vor. Zum Millionär wurde der gebürtige Deutsche mit dem Speicherdienst „Megaupload“, der ihm aber in den USA eine Klage wegen Copyright-Vergehens eintrug. Demnächst will Neuseeland über eine Auslieferung Dotcoms entscheiden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2013)

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