Irak-Krieg: Dick Cheney hat ein reines Gewissen

20.03.2013 | 18:12 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Niemand war vor zehn Jahren so entscheidend für Amerikas Angriff auf den Irak wie George W. Bushs Vizepräsident. Das Fehlen der Kriegsgründe ficht ihn nicht an.

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Washington. Die Architekten des Irak-Kriegs reagieren rückblickend auf dreierlei Weise: beschämt wie der damalige Außenminister Colin Powell, orakelhaft wie der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld – oder gänzlich unbekümmert wie Dick Cheney, der damalige Vizepräsident von George W. Bush. Der aktivste und wirksamste Befürworter der Invasion vom 19.März 2003 stand neulich in einem Dokumentarfilm des TV-Senders Showtime seelenruhig zu seiner folgenschweren Politik.

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Während Powell seine berüchtigte Vorstellung z.T. frei erfundener „Beweise“ für irakische Massenvernichtungswaffen vor dem UN-Sicherheitsrat als „schwarzen Fleck meiner Karriere“ bezeichnet und Rumsfeld zumindest zwischen den Zeilen Bedauern darüber ausdrückt, dass die US-Regierung so viel Gewicht auf die Existenz der irakischen Massenvernichtungswaffen gelegt hat, sieht Cheney auch heute kein Problem im Fehlen der vorgeblichen Kriegsgründe: „Wir haben keine Waffenbestände entdeckt. Aber wir haben festgestellt, dass Saddam Hussein die Fähigkeit dazu hatte, und wir glaubten, dass er die Absicht hatte“, solche Arsenale anzulegen.

Der Film legt zutage, wie sehr die Kriegsplanung der neokonservativen Falken um Cheney und den damaligen Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz von den Anschlägen auf New York und Washington am 11.September 2001 geprägt war. Es ging für sie nicht darum, fassbare, messbare Ziele zu erreichen – die dauerhafte Befreiung der Iraker etwa –, sondern Bedrohungen abzuwenden: egal, ob sie real sind oder nicht. „Wissen Sie, das ist eine jener Situationen, in denen es weniger darauf ankommt, was Sie erreichen, als vielmehr, was Sie verhindert haben.“

 

Atombombe im Köfferchen

In seinem Bestreben, den Irak anzugreifen, log Cheney auch einen seiner engsten Freunde an. Er erzählte dem damaligen Mehrheitsführer der Republikaner im Kongress, Dick Armey, dass die ihm vorliegenden Berichte der Geheimdienste noch viel schlimmer seien als das, was er öffentlich erzählen könne. Saddam Hussein sei drauf und dran, eine Kofferatombombe zu entwickeln, die er bereitwillig an al-Qaida-Terroristen weitergeben würde. Nichts davon stimmte, doch Cheney erreichte sein Ziel: Armey gab seinen Widerstand gegen den Krieg auf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2013)

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114 Kommentare
 
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Dieser Verbrecher wird aus guten Gründen, das Land "der Tapferen und Freien" nie mehr verlassen. Er würde unversehens verhaftet werden (oder der Terminierung zugeführt).


Re: Dieser Verbrecher wird aus guten Gründen, das Land "der Tapferen und Freien" nie mehr verlassen. Er würde unversehens verhaftet werden (oder der Terminierung zugeführt).

zu hoffen waehre es

Wer kein Gewissen hat, kann auch kein "reines" haben.


„Wir haben keine Waffenbestände entdeckt. Aber wir haben festgestellt, dass Saddam Hussein die Fähigkeit dazu hatte, und wir glaubten, dass er die Absicht hatte“

ich habe zwar auch keine hinweise darauf, dass cheney ein pädophiler ist. aber wenn er noch einen hochkriegt, dann hat er die fähigkeit dazu. und ich glaube, dass er auch die absicht dazu hat.

also einsperren. oder hinrichten!

1 0

Re: „Wir haben keine Waffenbestände entdeckt. Aber wir haben festgestellt, dass Saddam Hussein die Fähigkeit dazu hatte, und wir glaubten, dass er die Absicht hatte“


Könnten Sie bitte diese durchaus begründete Vermutung eventuell den US-Medien zuspielen? ;-)

Wenn man soche Leute schon auf Grund der harten Fakten (eindeutige Verbindung zu Halliburton) nicht stellen kann, dann sollte man sie durch Schmutzcampagnen medial hinrichten ... dazu steh ich.

Nicht vergessen:


"Dick Cheney hat ein reines Gewissen"

Da habe ich aber gegenteiligen Eindruck.

Das Fehlen der Kriegsgründe ficht ihn nicht an.

Das Fehlen der Kriegsgründe ficht ihn nicht an.

Ja das war doch egal.

ES GING UM DAS ERDÖL, ..... um das ERDÖL
das war Krieg ums ÖL !!!!!!

„Wissen Sie, das ist eine jener Situationen, in denen es weniger darauf ankommt, was Sie erreichen, als vielmehr, was Sie verhindert haben.“

Ja, super! Damit kann man jegliche Politik legitimieren.

4 0

Die Welt, hat noch immer das Vertrauen zur USA???

In vie viele Kriege war die USA, seit dem zweiten Weltkrieg verwickelt? Und warum???
Das große Geld machen sie immer mit der Rüstungsindustrie, ohne Rücksicht auf "Menschenverluste"
Die blinde "EU" glaubt noch immer diesen ewigen "Kriegsverbrechern"
WERDEN DIE EUROPÄER JE GESCHEITRR???

Wenn ich Milliarden von USD

mit Krieg verdient hätte, so wie Herr Cheney würde mein Gewissen jeden Tag mit Dollars gefüttert werden und schnell wieder ganz ruhig sein.

Genau so ein reines Gewissen

hatte A. H. auch !!!

17 0

Das einzige was dieser Mann haben sollte ist ein Gefängnis Outfit....


Wer kein Gewissen hat, kann auch kein "reines" haben.


Nichts außer Zerstörung und Chaos haben die Amis hinterlassen!

"Schöner Rückblick auf die US-Aufbauarbeit im Irak anhand einer Geflügel-Fabrik.
Elegant in conception, at least to us, it failed to account for a few simple things, like a lack of regular electricity, or logistics systems to bring the chickens to and from the plant, or working capital, or... um... grocery stores. As a result, the gleaming $2.2 million plant processed no chickens. To use a few of the catchwords of that moment, it transformed nothing, empowered no one, stabilized and economically uplifted not a single Iraqi. It just sat there empty, dark, and unused in the middle of the desert.
Einmal mit Profis arbeiten! Na immerhin hat der Teil mit der Wirtschaftsförderung für US-Firmen funktioniert."

http://blog.fefe.de/?ts=afb75366

14 0

Dieser Cheney,


HAT der überhaupt ein Gewissen?

Was solche Artikel anrichten

Fehlende Kriegsgründe, schleches Gewissen?

Bitte genauer erinnern, in der Hierarchie der damligen Gründe nachdenken, nicht auf eigengebaute (antiamerikanische) Propaganda reinfallen, nicht voneinander abschreiben. Nicht stets dieselbe Botschaft den deutschen Medien nachschreiben: die Neocons sind die Bösen und Falken, die Obamisten sind die Guten und Friedensnobelpreisbringer.
Als die bösen Neocons seinerzeit einen Domino-Effekt für den Nahen Osten prophezeiten bzw. den Diktatoren der islamischen Welt androhten, (worauf Gaddafi die Waffen fallen ließ und Syrien den Libanon verließ), war das Gelächter der Antiamerikaner über diese Dummheit der Neocons nicht enden wollend.
Eine grüne Edelpazifistin in Deutschland erklärte, erst wenn die Iraker für die Demokratie reif seien, lohne sich eine Beseitigung der Saddamschen Diktatur. Und als ihr ein Exiliraker erklärte, man sei längst reif dazu und wolle Saddam, dessen zwölf Geheimdienste jährlich über 100 000 Menschen auf grausamste Weise verschwinden ließen oder „nur“ verstümmelten, endlich los werden, blieb sie unbarmherzig pazifistisch. Sie erkannte nicht, was zu erkennen gewesen wäre: die Massenvernichtungswaffe Saddam.

Was Ihr Geschreibe anrichtet...

Weder die Neocons im speziellen, noch die USA im allgemeinen prophezeien etwas. Sie FÜHREN HERBEI.

12 1

Erschütternd, dass jemand solchen Schwachsinn verbreiten kann.


Kollektive Verblendung

Das Mainstream-Narrativ (falsche „US-Invasion“) ist tabuisiert, ist heilige Wahrheit, ist politisch korrekte Meinung. Ein unheilbarer Fall kollektiven Irreseins.

Kriegsverbrecher der übelsten Sorte

Der Mann ist für mich der schlimmste Kriegsverbrecher der Jahrtausendwende. Für das, was der alles verbrochen hat, wäre er bei einem Prozeß wie damals in Nürnberg vor dem Scharfrichter gelandet.

Das einzige, was ich ihm wünsche, ist ein zweiwöchiger Urlaub in Bagdad ohne seine Spezln von Blackwater.

Nicht nur die Waffenlobby

auch für Halliburton (Öl) war Cheney von 1995 - 2000 Vorstandsvorsitzender!

Eben ein Kriegsverbrecher der nie belangt werden kann, weil die Amis unanfechtbar sind, so wollten es alle Regierungen der Welt!

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Re: Nicht nur die Waffenlobby

Eben typisch ein Mann mit voll gefüllten Taschen zur Reflektion nicht fähig...die Perversion ist dass so jemand solch schwerwiegende Entscheidungen in den Weg leiten kann...

Cheney

Cheney vertrat die interessen der Waffenlobby äußerst erfolgreich. Da sind ihm 150.000 tote Menschen egal. Wenn ich solche Menschen wie ihn sehe, schäme ich mich ein Mensch zu sein. Seine Eltern werden gewusst haben, warum sie ihn "DICK" genannt haben.

Wenn einer schon "Dick" heisst...

Aber man kann auch einen Verbrecher dann füsilieren, wenn er für seine Taten kein schlechtes Gewissen hat...

Welcher Kriegsverbrecher hat kein reines Gewissen?

Die Verantwortung der Herrschaften wird die zukünftige Geschichte klären.

 
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