Der naive Professor

01.03.2011 | 18:42 |   (Die Presse)

Ihm hat die Plagiatsaffäre neben zu Guttenberg selbst wohl am meisten geschadet: Doktorvater Peter Häberle.

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Porträt des Tages

Ihm hat die Plagiatsaffäre neben zu Guttenberg selbst wohl am meisten geschadet: Doktorvater Peter Häberle. Seit Auftauchen der Vorwürfe ist der international angesehene Staatsrechtler untergetaucht, weilte offiziell im Ausland. Noch vor zwei Wochen ließ er erklären, die Vorwürfe seien „absurd“, die Arbeit kein Plagiat. Als die Universität Bayreuth zu Guttenberg schließlich den Doktortitel entzog, musste Häberle einräumen, dass die mit der Höchstnote „summa cum laude“ bewertete Promotionsschrift „unvorstellbare Mängel“ enthielt. Zu möglichen eigenen Fehlern äußerte er sich bisher öffentlich aber nicht.

Zweifellos ist der Vorfall für den 76-Jährigen ein tiefer Einschnitt in seiner Karriere. Der in Göttingen geborene Häberle studierte Rechtswissenschaften in Bonn, Tübingen, Freiburg und Montpellier. Er war Professor an den Universitäten von Marburg und Augsburg, heute lehrt er in Bayreuth. Im Jahr 2002 wurde Häberle emeritiert. Der Lehrstuhl in Bayreuth ist eine Kaderschmiede für Staatswissenschaftler, Verfassungsrechtler, Sozialwissenschaftler und Rechtsphilosophen. Häberles Lehren werden von Verfassungsgerichten in Europa, in Japan und Lateinamerika mit Ehrfurcht zitiert; Ehrendoktortitel hält er an den Universitäten von Thessaloniki, Granada, Lima, Brasilia, Tiflis und Buenos Aires.

Trotz seiner vielen Auszeichnungen nahm sich Häberle stets Zeit für seine Studenten, lud sie sogar zu sich nach Hause ein, um mit ihnen zu diskutieren. Dass einer von ihnen gegen die Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen könnte, kam ihm nie in den Sinn.

Jetzt ermittelt die Universitätskommission gegen mögliche Versäumnisse des Professors bei der Begutachtung von zu Guttenbergs Dissertation. Der ehemalige Verteidigungsminister wird sich wohl zuallererst bei seinem Doktorvater entschuldigen müssen. aga

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2011)

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16 Kommentare
Gast: Thomas Gast
03.03.2011 17:01
0 0


Gast: Luzifer
03.03.2011 10:44
1 0

Jetzt steht auch KHG unter Plagiatsverdacht!!!

Der "Selbstreinigungsprozeß" geht weiter! Da sollte man auch vor der Habilitationsschrift UHBP nicht Halt machen!

Wie gut haben es da jene Regierungsmitglieder, die es zu keine akademischen Ehren gebracht haben!

Gast: Gast: Leser
02.03.2011 18:06
1 0

Karriere?

"Ein tiefer Einschnitt in seiner Karriere". Mit 76 Jahren ist eine Karriere doch wohl eher schon vorbei, oder?

Antworten Gast: Vogel Strauss
03.03.2011 10:17
0 0

Re: Karriere?

Naja, nicht jeder geht mit 54 in Pension ...

Antworten Gast: Grummelbart2
03.03.2011 10:01
0 0

Re: Karriere?

Akademiker (insbes. Universitätsprofessoren) haben teilweise eine andere Einstellung zu Arbeit und Karriere - die gehen nicht in Pension, sobald es geht, sondern legen gerne noch ein paar Jährchen drauf, und selbst in der Pension publizieren sie noch gern und viel.

Seine "Karriere" als Völkerrechtler ist also nicht nicht vorbei.

3 0

Leuten wie diesen gehts ja ums "Denkmal".


Gast: Akademikerin
02.03.2011 13:26
1 0

Arge Heuchelei

Ich meine auch, dass der moralische Aufschrei der Universität schlicht und einfach heuchlerisch ist und ein Versuch jede Verantwortung auf den Kandidaten abzuwälzen. Es mag schon sein, dass die Professoren einfach wohlmeinend und gutgläubig waren , aber vielleicht wollten sie sich auch schlicht und einfach nicht die Zeit nehmen genauer hinzuschauen. Wenn es nicht überhaupt noch schlimmer war, wie in Postern schon angedeutet, und die Nachsicht auch auf andere unterstützende Faktoren zurückgeführt werden kann.

Zweierlei Maß?

Guttenberg hat sich selbst demoliert. Mehrere Faktoren haben ihn zur Strecke gebracht. Nun wird auf ihn kräftig nachgetreten und zugleich die Kanzlerin angebrunzt (© Wrabetz).
Für den „Doktorvater“ Peter Häberle gibt es hingegen Krokodilstränen: einen „naiven Professor“ mit vielen Meriten und großartiger Studentenbetreuung, dessen Reputation gefährdet ist und bei dem sich Guttenberg zuallererst entschuldigen müsse.
Die nunmehr offensichtlich schlampige Arbeit an der Universität Bayreuth, die zuletzt mit ihrer Dissertations- und Rigorosumsbewertung zu einer Promotion summa cum laude geführt hat, soll vermutlich kalmiert werden.

Gast: Zarzis
02.03.2011 09:59
2 1

Warum ?

Wieso sollte sich K.T. zu Guttenberg entschuldigen ?

Die Diss. wurde schliesslich geprüft und mit einer Auszeichnung versehen !!!!
Diese hat sich K.-T. nicht selbst gegeben.
Hier sitezen wohl auch unfähige Prüfer !!!

Antworten Gast: h
03.03.2011 18:16
0 0

Re: Warum ?

Da sollte sich wohl der Prof zuerst beim Guttenberg entschuldigen. Hätte der die Diss. abgelehnt wäre Guttenberg viel erspart geblieben.

2 0

wer das original zum obigen plagiat lesen möchte...

...bitte hier klicken:

http://www.sueddeutsche.de/karriere/peter-haeberle-guttenbergs-verzweifelter-doktorvater-1.1065414


1 0

plagiiert von der "süddeutschen zeitung"

das gleiche hab ich dort schon von heribert prantl

1.) früher
2.) besser geschrieben
3.) inhaltsreicher

gelesen. copy/paste und ein paar sätze umgeschrieben, so verdient man als qualitätsjournalist auch sein geld.

aber bei presse-journalisten ist es vermutlich besser, sie schreiben aus einer guten zeitung von einem guten journalisten ab, als sie überlegen sich selber was! da sei gott vor!

Gast: gast
02.03.2011 09:29
1 0

"Doktor"vater Häberle ...

... war keineswegs naiv - es lief einfach so, wie's immer lief >> und das schon seit Jahr und Tag und ohne Probleme: einigermaßen gutaussehender, einigermaßen junger Mann aus sehr (einfluss)reicher Familie hofiert den Häberle im üblichen Maß, unterstützt von adäquaten finanziellen Zuwendungen an die Universität Buyright (ca. 750 000 €) seitens der Familie, et voilà, schon steht der Deal: Cash for summa cum laude by Ghost. (Der arme Guttenberg hat seine Doktorarbeit ja wahrscheinlich erst in den letzten Tagen zum 1. Mal gelesen - muss eh furchtbar anstrengend für den bedauernswerten Freiherrn gewesen sein ... Und eine Zumutung sowieso: wofür hat man denn Lakaien!?)
Quelle für die Zahlungen sowie politische Verflechtungen der Uni Bayreuth im Allgemeinen und der beteiligten Profs (auch Zweitgutachter) im Besonderen: Spiegel, 28.2.

Gast: MR Priv Doz Dr.med. Dr.sc.med. H.-D.Unrein
01.03.2011 19:56
0 0

"Guttenberg"

Neben der Lenkung durch den Doktorvater muss die Uni doch die Gutachter der Arbeit von Herrn Guttenberg haben. Nur dann kann doch ein Titel verliehen werden. Wie war es denn nun bei der Uni wirklich ? Ich danke für eine Antwort. Ich habe selbst viele Doktoranten betreut.

Antworten Gast: Doktor
03.03.2011 10:09
0 0

Re:

"Doktoranten" haben Sie betreut? Wie interessant.


Antworten Antworten Gast: gast
03.03.2011 14:34
0 0

Re: Re:

höchstens vielleicht ein paar liebesbedürftige mizzi-tanten

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