Portrait des Tages: Hans-Werner Sinn

Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts, ist Deutschlands renommiertester Wirtschaftsforscher und Idol aller Neoliberalen.

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Hans-Werner Sinn – (c) FABRY Clemens

Der Backenbart irritiert. Er macht seinen Träger zur Karikatur des deutschen Studienrats und zum Spießbürger. Doch mit der Beschreibung würde man Hans-Werner Sinn unrecht tun. Der 63-Jährige, der jetzt wieder mit seinen Aussagen zu Griechenland für Aufregung sorgt, ist alles andere als ein engstirniger, geistig unbeweglicher Wirtschaftsforscher.

Als er 2003 seinen Bestseller „Ist Deutschland noch zu retten?“ veröffentlicht, wird er zum Idol aller Neoliberalen. In dem Buch plädiert er gegen einen Mindestlohn, für längere Arbeitszeiten, für weniger Macht der Gewerkschaften und fordert die Schaffung eines Niedriglohnsektors, um Deutschland wettbewerbsfähig zu machen. Gerade, als man den Präsidenten des Ifo-Instituts punziert hatte, wetterte er gegen den „Kasino-Kapitalismus“: Er kritisierte 2009, dass Verluste sozialisiert werden und bemängelte, Manager seien die Marionetten der Aktionäre. Nur der Sozialstaat könne Deutschland retten.

Mit seinen pointierten Aussagen macht sich der Wissenschaftler zum Liebling der Medien, übertrieb es aber, als er meinte, 1929 habe man die Juden zu den Schuldigen der Krise gemacht, „heute sind es die Manager“. Später entschuldigte er sich für den Vergleich.

Sinn ist verheiratet, hat drei Söhne und zu seinen vielen Ehrentiteln gehört auch der eines Honorarprofessors der Uni Wien. rie

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2011)

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