Viviane Reding: Barrosos Powerfrau

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission findet gern klare Worte – für schlimme Franzosen wie für böse Ratingagenturen.

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(c) EPA (CHRISTOPHE KARABA)

Viviane Reding nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Das mag daran liegen, dass die 60-Jährige als Journalistin beim „Luxemburger Wort“ arbeitete oder daran, dass sie in der EU-Kommission nicht nur für „Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft“, sondern auch für deren öffentliche Kommunikation zuständig ist. Viel wahrscheinlicher ist, dass die studierte Anthropologin nach zwölf Jahren als EU-Kommissarin schlicht abgebrühter ist als mache ihrer Kollegen.

Obwohl: Nach ihrer anfänglichen Zurückhaltung beim Thema Bildung legte sich die dreifache Mutter 2006 mit den Mobilfunkbetreibern wegen deren überhöhter Roaminggebühren an – letztlich erfolgreich. Seit vergangenen Sommer geht es Schlag auf Schlag. Erst waren die Franzosen wegen ihrer Zwangsausweisungen der Roma dran. Reding gebot ihnen mit den Worten „Genug ist genug“ und der Erinnerung an Deportationen während des Zweiten Weltkriegs Einhalt. Letzteres nahm sie zurück, in der Sache blieb sie hart – auch wenn Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy beleidigt meinte, er messe dem, was Reding sage, nicht viel Bedeutung zu. Die Kommissarin ließ sich nicht einschüchtern und legte nach, indem sie das „deutsch-französische Diktat“ beim Euro-Stabilitätspakt „selbstmörderisch“ nannte.

Nach Monaten des – fruchtlosen – Zuredens droht sie Firmen nun mit einer gesetzlich verpflichtenden Frauenquote in Führungspositionen. Und um Europa vor der schädlichen Macht der US-Ratingagenturen zu schützen, forderte Reding, diese zu zerschlagen oder eigene europäische Agentur zu gründen. c.d.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2011)

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