Ungewöhnliche Eintracht: Die Finanzminister der Euroländer haben gestern einstimmig einen neuen Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgeschlagen. Der 45-jährige deutsche Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen bekommt den Job.
Vielleicht lag es aber auch daran, dass die Rochade hinter den Kulissen längst ausgemacht war: Jürgen Stark – Asmussens Vorgänger – ist Deutscher. Und außerdem schuldete man Bundeskanzlerin Angela Merkel wohl ein kleines Entgegenkommen: Immerhin hatte sie nach monatelangem Zaudern eingewilligt, dass der Italiener Mario Draghi EZB-Präsident wird. Gerüchteweise soll sie sich für ihren Segen auch ein paar Spitzenjobs in der EU ausbedungen haben.
Asmussen gilt in Deutschland als fachlich versiert – und mächtig: Er war die rechte Hand von SPD-Finanzminister Peer Steinbrück und wurde von dessen Nachfolger Wolfgang Schäuble (CDU) im Amt belassen. Als ähnlich einflussreich bezeichneten deutsche Medien bisher nur Jens Weidmann. Der frühere Wirtschaftsberater Merkels sitzt bereits seit Mai an der Spitze der Deutschen Bundesbank. kor.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2011)















