Schrilles Comeback: Kim „Dotcom“ Schmitz

Lange Zeit war der 1974 im norddeutschen Kiel geborene Unternehmer verschwunden – bis er sich Ende 2011 als Chef von Megaupload zu erkennen gab.

Handout file photo shows German internet millionaire Kim Schmitz in Hong Kong
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Reuters (Handout)

Es war wahrscheinlich seine Geltungssucht, die Kim Schmitz seine Freiheit kostete. Lange Zeit war der 1974 im norddeutschen Kiel geborene Unternehmer verschwunden – bis er sich Ende 2011 als Chef von Megaupload zu erkennen gab. In einem direkten Affront gegen die Musikindustrie ließ Schmitz ein Video verbreiten, in dem Stars wie Kanye West von Megaupload schwärmen. Es war ein Comeback ganz im Stil des Unternehmers: schlau, schrill und halblegal. Schmitz, der sich inzwischen „Kim Dotcom“ nennt, wäre wohl ein klassischer C-Prominenter geworden, hätte er sein Geld nicht im Graubereich des Internets verdient. Er wäre in RTL's Jungle-Camp gelandet statt im Gefängnis. Zuletzt lebte er mit seiner Familie in Neuseeland – in einer der teuersten Villen des Landes. Ihr Wert: 15 Mio. Dollar.

Dass er nun im Auftrag der USA verhaftet wurde ist ironisch. Zur Blütezeit der New Economy machte er noch durch seine angebliche Zusammenarbeit mit dem FBI von sich reden: Er setzte eine Belohnung auf Osama Bin Laden aus und gründete die Gruppe „Yihat“ („Young Intelligent Hackers Against Terrorism“). 2002 wurde er dann zum ersten Mal verhaftet. Ein Münchner Gericht verurteilte ihn zu einer Bewährungs- und Geldstrafe wegen Insiderhandels mit Aktien der Firma „letsbuyit.com“.

Gerüchte, dass Schmitz hinter Megaupload stecken könnte, gab es schon seit 2007. Aber erst sein Auftritt im PR-Video Ende 2011 brachte Gewissheit. Es wäre nicht überraschend, wenn er sich nun als stolzer Mann präsentiert. Schmitz suchte immer das Rampenlicht, egal ob durch Frauengeschichten oder mit einer Luxus-Ralley durch Europa – die er zwar ankündigte aber nie veranstaltete. Die Unterstützung eines Teils der Internetgemeinde ist Schmitz sicher. Megaupload hatte laut Eigenangaben bis zu 50 Millionen Nutzer. Stellt er sich nun geschickt an, könnte er sich zum Online-Robin-Hood stilisieren – ähnlich dem Wikileaks-Gründer Julian Assange. Dass er diesmal mit einer Bewährungsstrafe davon kommt, ist aber zu bezweifeln. jil

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2012)

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