Wien. Gerade einmal drei Jahre Altersunterschied trennen Clemens Trimmel und Jürgen Melzer. Letzterer ist Österreichs Nummer eins im Tennis, Ersterer ab Freitag sein Kapitän im Daviscup-Duell gegen Russland. Nie gab es in der österreichischen Daviscup-Geschichte einen jüngeren „Captain“. Den russischen Topspieler Michail Juschnij kennt Trimmel sogar noch aus seiner aktiven Zeit, die 2004 endete. Sieben Fußoperationen verhinderten, dass der Wiener über Platz 147 in der Weltrangliste hinauskam.
Über den Umweg als Student und Produktmanager eines Wettanbieters kehrte der 33-Jährige in den Tennissport zurück. Seit Jahresbeginn ist er sowohl Sportdirektor als auch Daviscup-Kapitän des ÖTV. Das Weltgruppen–Duell gegen die Russen in der Arena Nova von Wiener Neustadt wird seine erste große Bewährungsprobe. Dass sein Alter ein Akzeptanzproblem in seinem aus Melzer, Andreas Haider-Maurer, Alexander Peya und Oliver Marach bestehenden Team in sich birgt, das hält Trimmel für ausgeschlossen. „Wenn die Spieler das gestört hätte, wäre ich doch nicht ihr Wunschkandidat gewesen“, meint der Wiener im „Presse“-Gespräch: „Der Respekt ist da, jetzt muss er aber auch gelebt werden. Es ist zwar für uns alle Neuland, aber die Spieler sind alle angenehme, pflegeleichte Charaktere. Ich sehe das sehr positiv.“
Vorfreude auf Häkeleien
Alles andere als positiv ist Trimmels eigene Daviscup-Bilanz. Als Spieler war er zweimal für den ÖTV im Einsatz und verlor beide Partien. Häkeleien erwartet Trimmel jedoch nicht: „Die Spieler sollen mir beweisen, dass ihre Bilanz besser ist. Wenn sie die Punkte gegen Russland machen, dürfen sie mich den ganzen Tag häkeln.“
Die Chancen, dass Österreich nach zwei vergeblichen Versuchen in den 1980er-Jahren gegen Russland endlich gewinnt, sieht Trimmel bei „50:50 – wenn wir unser ganzes Potenzial abrufen“. In Zagreb beobachtete er am Wochenende noch einmal die russischen Topspieler im Einsatz. „Juschnij ist ein grundsolider Weltklassespieler, Alex Bogomolow ein Arbeitstier, gegen das man jeden Punkt dreimal machen muss“, konstatiert Trimmel.
Besonders freute ihn, dass er Jürgen Melzer nach langer Zeit wieder einmal mehrere Einzelspiele in Folge beobachten konnte. Bis zu seinem Viertelfinalaus gab Melzer keinen Satz ab und zeigte ansteigende Form. Gerade rechtzeitig, um zu verhindern, dass sein Kapitän plötzlich alt aussieht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2012)















