Ohrfeige von links

27.02.2012 | 18:27 |   (Die Presse)

Nazijägerin Beate Klarsfeld geht gegen Gauck ins Rennen ums Präsidentenamt.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Berlin 1968, Parteitag der CDU. Eine junge Frau springt aufs Podium, ruft „Nazi, Nazi, Nazi!“ und schlägt Kanzler Kiesinger ins Gesicht. Von da an weiß alle Welt, dass dieser ein hoher NSDAP-Funktionär war – eine Ohrfeige macht Geschichte. Berlin 2012: Die „Linke“ fühlt sich doppelt geohrfeigt, weil sie von der Kür des Präsidenten ausgeschlossen wurde und nun den Kommunistenschreck Gauck schlucken soll. Sie holt zum symbolischen Gegenschlag aus und nominiert die Aktionistin von einst zu ihrer Kandidatin. Die heute 73-jährige Beate Klarsfeld lebt mit ihrem französischen Mann Serge, Kindern, Enkeln, Katzen und Hunden in Paris. In einem hartnäckigen Kampf um Gerechtigkeit führte sie Nazischergen der Justiz zu: Barbie, Brunner, Lischka (den sie sogar eigenhändig entführte). In aller Welt mit Orden überhäuft, blieb Klarsfeld das Bundesverdienstkreuz verwehrt. Als Nestbeschmutzerin gilt sie zwar nicht mehr. Aber dass sie 2005 zur „taz“ sagte, sie hätte auch Mord für ihr Anliegen in Kauf genommen, macht sie nur eingeschränkt präsidiabel. Doch für eine kräftige Ohrfeige mit der Linken reicht ihre Nominierung allemal. gau

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Top-News

  • Ostern ist das neue Weihnachten
    Während die Konsumlaune zu Weihnachten stagniert, geben die Österreicher immer mehr für Ostergeschenke aus. Der Handel steigert die Kauflust mit Umfragen und Lockangeboten.
    Ostukraine: "Europa ist schlecht für euch"
    Die Milizen der ostukrainischen Stadt Slawjansk denken nicht daran, die Barrikaden zu räumen. Die prorussischen Aktivisten fordern, so wie auf der Krim ein Referendum über die Zukunft des Gebiets abzuhalten.
    Die Industrie probt den Aufstand
    Österreichs Spitzenmanager haben genug von hohen Lohn- und Energiekosten und drohen schon mit Abwanderung. Voest, OMV, Lenzing und Industriellenvereinigung gehen vor der Budgetrede des Finanzministers in die Offensive.
    Der Kunde als Testfahrer
    Nach einer Reihe von Unfällen, die 13 Menschenleben gekostet hat, musste General Motors heuer schon 6,6 Millionen Autos zurückrufen. Sind neue Modelle für die Kunden ein Risiko?
    Die Dominanz der Silberpfeile: "Motorsport muss unterhalten"
    Mercedes erlebt in dieser Formel-1-Saison ein Hoch und gibt der Konkurrenz Rätsel auf. Für den Wiener Toto Wolff ist es eine Genugtuung. Er ist als Motorsportchef für diese Entwicklung verantwortlich.
    Sind Chinas Schulden gefährlich?
    Die hohe Verschuldung chinesischer Unternehmen bereitet westlichen Investoren Kopfzerbrechen. Die Sorgen seien übertrieben, meinen hingegen Anleihenexperten aus Hongkong.
AnmeldenAnmelden