18.05.2013 12:02 Merkliste 0

Österreich – wo Fernbleiben vom Arbeitsplatz eine Wissenschaft ist

MARTIN ENGELBERG (Die Presse)

In diesen Tagen verabschieden sich die Leute in Wien wieder mit den Worten: „Bussi – schönen Sommer!“ Sie freuen sich damit auf ein Wiedersehen im September. Jetzt ist es Ende Juni.

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Spätestens seit Ostern gehört die Frage „Wohin fahrt ihr im Sommer?“ zum Standardrepertoire einer Alltagskonversation. Im Mai und Juni verbreitet sich aufgrund der zahlreichen Feier- und der damit verbundenen „Fenstertage“ bereits Urlaubsstimmung. Auch die Bäder haben schon geöffnet, die Schrebergärten und Wochenendhäuser sind bereits bezogen.

Die Kaffeehäuser samt der unüberschaubaren Zahl an Schanigärten sind auch an Arbeitstagen überfüllt – und dies nicht mit Touristen. Es wird zunehmend schwieriger, Personen in ihrem Büro oder Amt zu erreichen. Ab 12 Uhr erhält man die Antwort: „Ist auf Mittagspause.“ Ab 14 Uhr heißt es: „Ist bei Außenterminen und kommt heute leider nicht mehr.“

Aus den USA kommend, fällt einem dieses jährlich wiederkehrende Ritual besonders auf. In den USA ruft die bei einem Small Talk geäußerte Frage, wohin es denn in diesem Sommer gehe, ein Schmunzeln hervor: „Eure Wirtschaft und das Finanzsystem stehen in Flammen – und Ihr Europäer denkt immer nur an Urlaub.“

Tatsächlich gibt es in den USA für Arbeitnehmer grundsätzlich weder einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub noch auf Arbeitsfreiheit an Feiertagen. Im Durchschnitt aller Arbeitsverhältnisse in den USA erhalten Arbeitnehmer zwölf Tage Urlaub und an acht Feiertagen pro Jahr frei.

Laut einer Studie der Harvard Universität nehmen jedoch sage und schreibe 25 Prozent der Arbeitnehmer in den USA überhaupt keinen Urlaub und arbeiten auch an den Feiertagen. Im privaten Sektor gehen die Menschen in den USA im Durchschnitt neun Tage auf Urlaub und nehmen sich an sechs Feiertagen frei.

In Österreich ist die Zahl der Urlaubs- und Feiertage bekanntlich wesentlich höher. Aber hierzulande wird ja die weitere Maximierung des Einsatzes dieser Urlaubstage samt anderer Abwesenheiten vom Arbeitsplatz wie Krankenstände, Kuraufenthalte, Arztbesuche usw. als eigene Wissenschaft betrieben und Profis auf diesem Gebiet genießen höchstes Ansehen. Das Verhalten der US-Bürger kann daher in Österreich nur auf ebenso großes Unverständnis stoßen wie jenes der Europäer in den USA.

Überraschend ist dann jedoch das vor wenigen Tagen publizierte Ranking „Europas bester Arbeitgeber“. Dieses wird durch Befragung der Mitarbeiter erstellt und gilt als Barometer für die Stimmung, die Arbeitsplatzkultur und für allfällige Probleme in Unternehmen. Das Ergebnis: Als beste Arbeitgeber gelten vor allem die multinationalen Konzerne. Sechs der in den Top Ten Gereihten sind US-Unternehmen – sie sind ganz sicher kein Hort maximaler Urlaube und Freizeit. Im gesamten Ranking aller Unternehmen fand sich nur ein einziges österreichisches Unternehmen.

Offensichtlich ist also eine hohe Zahl an Urlaubs- und Feiertagen kein Garant für höhere Arbeitszufriedenheit und ruft umgekehrt ein intensiver Arbeitseinsatz nicht unbedingt Frustration hervor. Dennoch gelten in Österreich aber weiterhin ausgedehnte Urlaube und Freizeit, das Berechnen des Datums des Pensionsantritts bei Berufseintritt als Zeichen für hohe Lebensqualität und einzige Chance auf Zufriedenheit.

So verabschieden wir uns auch dieses Jahr, von den Krisen scheinbar weitgehend unbeeindruckt, in den Sommer. Die Amerikaner werden uns nie verstehen – und wir sie auch nicht.


Reaktionen senden Sie bitte direkt an: debatte@diepresse.com


Zum Autor:

Mag. Martin
Engelberg ist Psychoanalytiker, Geschäftsführer der Wiener Psychoanalytischen
Akademie,
geschäftsführender Gesellschafter der Vienna Consulting Group sowie Mitherausgeber des jüdischen Magazins „NU“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2012)

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22 Kommentare
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In Österreich beschweren sich - auch deutsche Kunden -

über die Tatsache, dass die Telefonzentrale ab 17 Uhr vom Portier mitbetreut wird, der des Hochdeutschen kaum und einer Fremdsprache gar nicht mächtig ist.

Wenn man den deutschen Kunden dann vor 9, zwischen 12 und 13 oder nach 16 Uhr anruft, hat man in 90% der Fälle den Anrufbeantworter dran: "Sie rufen außerhalb unserer Geschäftszeiten an,....)

Ich finde es höchst bedenklich,

dass Ihr Beitrag zur Beschneidung nicht (mehr?) online zu finden ist.

Waren denn die Kommentare mancher Poster so untergriffig-bösartig? Oder was ist sonst der Grund?

Schade.


Und wer versteht die Japaner?

Was Urlaub betrifft, so gilt es in Japan angeblich als absolutes No Go, die einem zustehenden Urlaubstage voll auszuschöpfen.

Aus falsch verstandener Solidarität zu ihrem Unternehmen rackern sich japanische Angestellte halbtot; vielleicht spielt auch ein uns Europäern unverständliches Ehrgefühl eine Rolle, und nicht zuletzt die Angst um den Arbeitsplatz..... (der ehrgeizige Kollege lauert schon auf seine Chance...)

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Fleißig

Und noch etwas das ihnen als US Fan zu denken geben sollte http://www.orf.at/stories/2128886/2128884/ kann es sein das die Amerikaner zwar wenig Urlaub machen und sehr fleißig sind aber doch wenig weiterbringen

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Spaßig

Komisch dass es in den USA trotzdem so viele Working Poor Leute gibt.
Der Dollar ist auch nicht so stabil wie sie es sehen von der Verschuldung will ich gar nicht sprechen.
Das Gesundheitssystem ist nur für Wohlhabende ausgelegt.
Fazit ein wenig blauäugig um nicht zu sagen naiv ist ihr Artikel schon.
Und noch etwas gehen sie Wochentags durch NY City sie werden ebenso gut besuchte Lokale finden

Als beste Arbeitgeber gelten vor allem die multinationalen Konzerne. Sechs der in den Top Ten Gereihten sind US-Unternehmen

hier verstehe ich die argumentation nicht (mehr):

diese internationalen konzerne halten sich doch nicht an die amerikanischen gepflogenheiten, sondern sie haben genau so viele feiertage und urlaubstage in ihrem kalender wie lokale unternehmen.

die beliebtheitsumfrage ist also in bezug auf freie tage völlig neutral!

dann verzichte doch mal auf deinen urlaub, engelberg...


...bleib von 0-24h erreichbar (bitte auch am wochenende!), auf dass du nicht vom europäischen schlendrian in den abgrund mitgerissen wirst.

ach ja, eine frage hätt' ich noch:

"Die Kaffeehäuser samt der unüberschaubaren Zahl an Schanigärten sind auch an Arbeitstagen überfüllt – und dies nicht mit Touristen"...und woher weißt DU das? der du die deinen durch schwerstarbeit (20 stunden am tag und noch zehn in der nacht) im schweiße deines angesichts ernähren musst???

ah, klar, wahrscheinlich auf dem weg zwischen zwei außenterminen in deinem 24-h job als psycho-unternehmenesberater-politiker-kolumnist wahrgenommen, anders wär ja so ein insider-wissen über die faulen säcke in den kaffeehäusern nicht zu erklären!


Antworten Gast: Engelberg
27.06.2012 20:09
0 6

Re: dann verzichte doch mal auf deinen urlaub, engelberg...

Sie ungehobelter Lümmel, wer hat Ihnen erlaubt mich zu duzen. Benehmen Sie sich, oder halten Sie die Klappe!

Re: Re: dann verzichte doch mal auf deinen urlaub, engelberg...


aber lieber martin, wir sind doch hier im internetz alle brüder&schwestern und daher per du. weißt du das denn nicht, hat dir das noch niemand gesagt?

du wirkst etwas unrund, irgendwelche probleme? reden wir darüber, du bist hier unter freunden, sprich dich also ruhig aus. lass deine aggressionen raus, es ist wichtig das zu artikulieren, das darf man nicht in sich reinfressen, das gehört ordentlich aufgearbeitet, am besten du fängst hier im forum damit an.

bissous,

charly

Re: Re: Re: dann verzichte doch mal auf deinen urlaub, engelberg...

Ich misch mich ja nicht oft in die Privatfehden von Postern ein, aber dass Sie angeblich alle Mitposter duzen, ist mir bisher noch nicht aufgefallen.

Und: es heißt natürlich „bisous“; aber vermutlich wollten Sie im Grunde den Engelberg beißen.... ;-)

Was haben Sie denn bloß gegen ihn?


Re: Re: Re: Re: dann verzichte doch mal auf deinen urlaub, engelberg...


gar nix, ich bin ein großer fan! sorry für den verschreiber, und nix für ungut nochmal herr mag. dr. engelberg, ich werde Sie in zukunft siezen, wie sich das gehört.


Re: Re: Re: Re: Re: dann verzichte doch mal auf deinen urlaub, engelberg...

Na also, warum denn nicht gleich?

Sie sind ja doch ein guter Junge!

Gast: Vogel Strauss
26.06.2012 17:26
2 2

Wozu in die Ferne schweifen?

Versuchen Sie mal, am Freitag nachmittag in Ö irgendwen telefonisch zu erreichen oder einen Termin festzulegen ... und versuchen Sie das gleiche in Deutschland oder der Schweiz. Wo werden Sie erfolgreich sein??

Gast: Aktiver Gast
26.06.2012 11:55
7 2

... und wer hat die Finanzkrise ausgelöst?

Seltsam, trotz oder gerade wegen der geringen Urlaubstage ging die grosse Finanzkrise von den fleissigen USA aus. Auch ist die Armutsrate in den USA viel höher als in Europa, die Häfltingsrate auch und viele andere negative Indikatoren.

Die einzigen die von diesem Arbeitsfetischismus profitieren sind die Reichen und Superreichen, die auf unsere Kosten dadurch nur noch reicher werden.

"Arbeitsfetischismus" - wird`s das Wort des Jahres?

Bei ihnen sicher, oder Genosse? ;-))

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ärgerlich

Man sollte vielleicht nicht ganz so rankinggläubig sein,wie sich das bei uns in den letzten Jahren eingebürgert hat.Ich bin überzeugt,dass diese Umfragen mit großer Vorsicht zu betrachten sind vor allem weil die Antworten sicher nicht immer ehrlich sind.Bei manchen Kommentaren hat man den Eindruck wir sollen künftig alle, wenn schon nicht Inder oder Chinesen,dann zumindest doch Amerikaner werden.Die Sozialgesetzgebung der letzten 100 Jahre soll als Irrtum auf den Müllhaufen der Geschichte und wir sollen uns vorwärts zurück ins 19.Jahrhundert bewegen.Diejenigen die diese Forderungen regelmäßig erheben,sind aber sicher auch diejenigen die davon nicht betroffen sein wollen.

Gast: Gerhard
26.06.2012 09:38
2 0

gesetzlicher Status

Werter Herr Engelberg!
Ich nehme schon an, dass Sie mit Ihrem Kommentar provozieren wollen.
Auch wenn eine Reihe von internationalen Unternehmen in Österreich Menschen beschäftigen, so liegen diese Arbeitsplätze dann in Österreich und nicht in den USA oder in UK, sondern eben in Österreich. Und in Österreich gelten interessanterweise österreichische Gesetze. ZB. ein Arbeitszeitgesetz, ein Urlaubsgesetz, ein Feiertagsruhegesetz, ein ArbeitnehmerInnenschutzgesetz usw.

Antworten Gast: sozialrat
26.06.2012 18:28
0 0

Re: gesetzlicher Status in Österreich gelten interessanterweise österreichische Gesetze. ZB. ein Arbeitszeitgesetz, ein Urlaubsgesetz, ein Feiertagsruhegesetz, ein ArbeitnehmerInnenschutzgesetz usw.


und wie sieht es mit den Pflichten der Arbeitnehmer aus?

Antworten Gast: Genosse
26.06.2012 12:28
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Re: gesetzlicher Status

Darum ist es auch für den ÖGB geradezu eine fundamentale Verpflichtung, die segensreichen Errungenschaften der Gewerkschaftsbewegung hierzulande auch den Unterdrückten und Ausgebeuteten in den USA angedeihen zu lassen.
Die Eröffnung von Zweigstellen des ÖGB in den USA ist dringend geboten, das unerträgliche Arbeitsleid muß auch dort eingedämmt werden.

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Re: Re: gesetzlicher Status

Erst Mittwoch und du hast schon deinen Wochenendrausch

Antworten Antworten Gast: Vogel Strauss
26.06.2012 17:24
1 0

Re: Re: gesetzlicher Status

Lol! Viele grüne Stricherl!

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